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Ganz die Familie Acharya Rajneesh hieß er, als er geboren wurde. Osho war sein Name, als er starb. Dazwischen kreierte Bhagwan Shree Rajneesh, wie er die längste Zeit seines Lebens genannt wurde, spirituelle Stürme und Kontroversen in ganz Indien und Amerika wie kein anderer Guru der Sechzigerjahre-Generation. Heute, fünfzehn Jahre nachdem er "seinen Körper verlassen hat", hat Rajneesh einen Nachfolger–sozusagen. Sein jüngerer Bruder Osho Shailendra lehrt jetzt in Indien, führt inoffiziell das Familienerbe weiter und sagt, dass er jetzt den Pfad repräsentiert, für den Rajneesh den Weg bereitete. Er behauptet, dass Puna, Oshos erster Ashram, sich zu nicht viel mehr als einem Feriendomizil entwickelt habe, und so gründeten er und zwei weitere "erleuchtete" Lehrer, Osho Priya und Osho Siddhartha das Oshodhara, eine "Schule für das Geheimnis des Lebens". Und nun kommt das Merkwürdige: Er lehrt das Zölibat–das ist etwa so, als ob Gandhis Nachfolger die bewaffnete Revolution lehren würden. Rajneeshs Bruder scheint auch sehr vom populären Business-Guru und praktizierenden Mormonen Stephen Covey angetan zu sein und bezieht sich in seinen Vorträgen häufig auf ihn. In Nordamerika kann man diesen östlichen Guru, der seine Hindu-Schüler Mormonen-Weisheit lehrt, auf dem AASTHA "Glaubens-Kanal" sehen, einer indischen Fernsehstation, die auf internationalem Satelliten-TV empfangen werden kann, auf Hindi, Gujarati und Englisch. Globalisierung, was hast du vor? Vom Papst zum Schweigen gebracht ... Jenseits der Bay Bridge in Oakland gibt es eine Institution, die Pläne für eine zukünftige spirituelle Erziehung hat, die Wisdom University (früher University of Creation Spirituality), eine Schule, die von dem ehemaligen Benediktiner und jetzigen unabhängigen religiösen Lehrer Matthew Fox gegründet wurde. Fox trägt eine ungewöhnliche Auszeichnung, er ist einer jener amerikanischen Priester, denen 1988 von dem damaligen Kardinal Ratzinger, heute Papst Benedikt XVI, als "Häretiker" das Schweigegebot auferlegt wurde–eine Auszeichnung, die er mit dem legendären ökumenischen Theologen Hans Küng, einem früheren Kollegen des neuen Papstes, teilt. Vergangenen Mai war Fox mehr als nur ein wenig verstört, als er von der Einsetzung Ratzingers auf dem höchsten Posten im Vatikan hörte–und er ist keiner, der seine Gefühle zurückhält. In der Tat schrieb er sofort ein Manifest über die Zukunft der katholischen Kirche mit dem Titel: "Die neue Reformation: Die Entwicklung einer reifen Christenheit" und machte sich auf den Weg nach Deutschland, um seine Proklamation an den Toren des Klosters in Wittenberg anzuschlagen, wo auch vor vielen Jahren Martin Luther seine Thesen anschlug. Von da ging es weiter nach Rom, um unseren neuen Papst zu einer Debatte herauszufordern. (Bisher kam von Papst Benedikt keine Antwort.) Die Essenz des Streits: Fox findet, dass sich die Kirche einer geistig offeneren, mystischen und frauenorientierten Version des Christentums zuwenden muss. Wer könnte da widersprechen? Küng hat eine abwartendere Haltung gegenüber der neuen Macht im Vatikan eingenommen, vielleicht weil er hofft, dass die früheren liberalen Ansichten Ratzingers (er war in seiner Jugend ein Reformer) in seiner Papstregentschaft irgendwie wieder in den Vordergrund treten würden. Ende September dieses Jahres wurde Küng schließlich vom Papst zu einer Privataudienz empfangen. Es war ein Gespräch "in freundschaftlicher Atmosphäre", bei dem keine Diskussion von Glaubensfragen stattfand. Ob dieses Treffen als erstes Anzeichen für die erhoffte Bewegung zu mehr Offenheit und Diskussionsbereitschaft gewertet werden kann, bleibt abzuwarten. Immerhin hatte der neue Papst (sein Spitzname in progressiveren Kreisen ist "Gottes Rottweiler") kurz vor der Wahl ein paar pointierte Dinge über moralischen Relativismus zu sagen. "Wir bewegen uns auf eine Diktatur des Relativismus zu", erklärte er ... "der nichts Definitives anerkennt und nur das eigene Ego und die eigenen Begierden als das endgültige Maß übrig lässt." Wenigstens stimmen wir in einer Sache überein. Der Experte für Spiral Dynamics Don Beck hat ebenfalls eine interessante Ansicht über den neuen Heiligen Vater. Afrikanischen Kirchen ist zurzeit am meisten damit gedient, behauptet Beck in einer E-Mail an WIE, eine konservative Führung in der katholischen Kirche zu haben, weil liberale westliche religiöse Werte in afrikanischen Pfarrgemeinden nicht gut ankommen. Zurzeit brauchen weite Teile Afrikas starke, konservative religiöse Institutionen, um eine Entwicklung über die Stammeskulturen hinaus zu erleichtern. Mehr noch, schreibt er, ein konservativer Papst wird größere Reformen in Europa und Amerika vorantreiben und Katholiken wie Fox dazu inspirieren, radikalere Schritte zu tun. Ich weiß nicht, ob das eine weite Perspektive ist oder eine zu weite Perspektive, aber sie ist sicherlich nicht politisch korrekt–so, als würde man sagen: Es ist gut, dass Bush gewählt wurde, weil es den Demokraten helfen wird, stärker zu werden und sich zu entwickeln. Auch wenn das ungewohnte Gedanken sind, unser Lieblingszauberer in Spiral Dynamics hat auch das gesagt. Der Rhythmus des Bewusstseins Gary Lachman spielte früher Bass in der 80er-Pop-Band Blondie–nicht gerade der übliche Lebenslauf eines zukünftigen Gelehrten. Doch Lachman durchläuft gerade eine zweite Karriere als angesehener Autor und Experte in der Geschichte westlicher Esoterik. Seine Arbeit verfolgt die Entwicklung des Bewusstseins von Blake zu Blavatsky, Krishnamurti, Gurdjieff, Ouspenky, Gebser, dem vierten Weg, der Theosophie, den Sechzigern und bis hinein ins neue Jahrhundert. Nachdem er in den letzten drei Jahren fünf Bücher veröffentlicht hat, schreibt er gerade eine Biografie des brillanten deutschen Begründers der Anthroposophie Rudolf Steiner. Steiner verband die Ideen von Goethe, Kant und Hegel mit der Theosophie und bot so eine der ersten übergreifenden, integralen Landkarten des menschlichen Bewusstseins. Wenn Lachman seine Studien über Rudolf Steiners Leben beendet hat, beabsichtigt er, mit der Biografie eines weiteren unterschätzten und brillanten Mystikers und Wissenschaftlers fortzufahren–Emanuel Swedenborg. Himmel an Erde Die Zeit ist nicht mehr das, was sie einmal war Der Preis für das Marketing-Genie des Jahres sollte an Ramtha gehen. Für einen 35.000 Jahre alten Krieger weiß sie/er so einiges über moderne Kultur. Der Film Bleep, der von Schülern von J.Z. Knight produziert wurde, durch die Ramtha spricht, ist momentan überall und ist selbst zum weltumspannenden Geschäft geworden. Es gibt Seminare und Konferenzen in den USA, Italien, Kanada und Schweden, die auf dem Film basieren. Ja, wir leben zurzeit in einer Bleep-Welt. Die Fans dieses Films fühlen sich sehr ermutigt und behaupten alles Mögliche über Quantenphysik und darüber, wie man auf der Quantenebene "seine eigene Wirklichkeit erschaffen kann". Wenn Sie irgendwen beschuldigen oder sich bei jemandem bedanken wollen, wenden Sie sich an Fred Alan Wolf, einen von mehreren Physikern, die im Film auftauchen. Wolf ist kein Unbekannter, was eigenartige Ideen über die Wirklichkeit angeht. Sein letztes Buch, The Yoga of Time Travel: How the Mind Can Defeat Time (Das Yoga des Zeitreisens: Wie der Verstand die Zeit besiegen kann), handelt von der Physik der Zeitreise, einem Thema, das zuvor außerhalb Hollywoods nicht ernsthaft behandelt wurde. Was ist Wolfs Geheimnis bei Zeitreisen? Das Aufgeben des Egos. "Zeit ist eine Projektion des Verstandes", erklärt er, "und indem wir unsere Ego-Strukturen verändern, können wir unsere Konditionierung überwinden und uns unserer Fähigkeit zum Zeitreisen bewusst werden." Nun sollte man erwähnen, dass Wolf größtenteils über die Inhalte traditioneller Mystik spricht und ein wenig Physik beimischt. Aber er ist heute nicht der Einzige, der das Thema ernst nimmt. Der Physiker und Templeton-Preisträger Paul Davies hat seine wissenschaftlichen Ansichten dazu mit seinem Buch How to Build a Time Machine (Wie man eine Zeitmaschine baut) beigetragen. Einsteins Relativitätstheorie öffnete die theoretische Tür und sogar über Stephen Hawking wird gesagt, dass er zumindest von der Möglichkeit überzeugt sei. Studenten des MIT (Massachusetts Institute of Technology) veranstalteten neulich die bisher erste Konferenz über Zeitreisen. Vor einigen Monaten landete ein neues Buch mit dem Titel Breaking the Time Barrier: The Race to Build the First Time Machine (Die Zeitbarriere durchbrechen: Der Wettlauf um den Bau der ersten Zeitmaschine) auf unserem Schreibtisch. Es befasst sich eingehend mit den wissenschaftlichen Fakten, die "Chrononauten" von morgen unterstützen können. Außerdem entdeckte WIE neulich eine ganze spirituelle Gemeinschaft, die sich dieser Idee widmet. In Italien, nördlich von Turin, gibt es ein ungewöhnliches, experimentelles Dorf, die Föderation von Damanhur genannt, die–mit über 800 Einwohnern und mehreren Tausend Anhängern–in der ganzen Welt als besonders gelungenes Modell für kommunales Zusammenleben gilt. Die Einwohner arbeiten, meditieren und studieren; sie tanzen, singen und ziehen ihre Kinder auf; und ja, sie reisen durch die Zeit–aus einem riesigen Tempel unter der Erde von der Größe eines 11-stöckigen Gebäudes, den sie als riesigen Kondensator bezeichnen! Die Zeitreisenden von Damanhur nennen sich selbst "Temponauten" und haben eine Website eingerichtet, auf der sie ihre Erfahrungen sammeln. Einige dieser Zeitreisen finden in "subtilen Körpern" statt, andere tatsächlich physisch, so behaupten sie. Stimmen ihre Behauptungen? Die Wahrheit, so sagt man, liegt irgendwo da draußen, oder in diesem Fall, irgendwo da unten–aber die wirkliche Frage ist doch: wenn Zeitreisen möglich sind, wo sind die Temponauten der Zukunft heute? Neues Bewusstsein in der Wirtschaft "Authentische und Integrale Führung": diese Innovation sorgt in einigen Führungsetagen, Manager- und Coaching-Workshops seit geraumer Zeit für Wirbel. Es sind nicht wenige, die schon das Aufdämmern einer neuen Wirtschaftskultur sehen, in der globale Verantwortung, evolutionäre Sinnhaftigkeit, respektvoller Umgang miteinander, neue verbindliche Werte und spirituelle Transformation keine Fremdwörter mehr sind und zugunsten puren Profits gestrichen werden. Nein, in einem wachsenden Kreis von Pionieren eines neuen Bewusstseins im unternehmerischen Handeln hört man die erstaunliche Botschaft, dass in Zukunft das Einbeziehen von Innerlichkeit und Verantwortung auch über wirtschaftlichen Erfolg bestimmen werden! Um zu beweisen, dass es möglich ist neue Wege jenseits des knallharten Kapitalismus zu gehen und um zu zeigen, dass solche Ansätze schon in vielen Teilen der Welt praktiziert werden, haben sich im September diesen Jahres namhafte Vertreter der Wirtschaft, spirituelle Lehrer und Aktivisten in Frankfurt mit fast 150 Teilnehmern zu einem Symposium zusammengefunden. Der frühere Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bank Bauspar AG Prof. Hans Wielens (s. WIE Ausgabe 16), der mit seiner "Stiftung Authentisch Führen–Zen-Akademie für Führungskräfte" als Vorreiter einer neuen Wirtschaft gilt, organisierte zusammen mit dem Kamphausen-Verlag dieses Treffen, um genauer herauszufinden, was nun "Authentische und Integrale Führung" eigentlich bedeuten könnte. Seinem Ruf folgten so gewichtige Visionäre wie der christliche Revolutionär und Zen-Meister Willigis Jäger, Spiral Dynamics-Aktivist Dr. Don Beck und Dr. Fred Kofman, der frischen Wind aus Ken Wilbers Integral Institute ins Finanzzentrum Deutschlands brachte. Das Symposium wurde zu einem Laboratorium neuer Ideen zur Transformation der Wirtschaft und derer, die wirtschaften. Denn dies war allen klar: ohne individuelle Entwicklung auch vor allem der Entscheidungsträger sind keine großen Sprünge möglich. Aber das bedeutet nicht, dass wir uns darauf verlassen könnten. Ist doch ein neues Bewusstsein in der Wirtschaft nicht getrennt von einer Veränderung unserer kulturellen Werte und Visionen. Im nächsten Jahr wird man sich wiedertreffen und bewaffnet mit den in der Zwischenzeit in diversen Netzwerken erarbeiteten Ideen und Erfahrungen einen weiteren Schritt in der Kreation einer neuen Wirtschaft gehen. Ein Abenteuer, das unsere Welt nachhaltig verändern könnte. Mike Kauschke
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