Your email address is kept confidential, and will never be
published, sold or given away without your explicit consent.
Thank you for joining our mailing list! Close |

|
|||||||||||||
|
Artikel Ich glaube, es ist an der Zeit, das Konzept der Hierarchie erneut zu betrachten. Es wird nicht nur Zeit für uns, seine Wiederkehr zu fordern, sondern dass wir es rekonstruieren und ein neues Verständnis artikulieren – eines, das unabdingbar für die Evolution des Bewusstseins ist. Das Konzept der Hierarchie kann auf verschiedene Weisen definiert werden, eine davon ist: eine Rangordnung innerhalb einer Gruppe von Menschen nach Fähigkeiten oder ökonomischem, sozialem oder beruflichem Status. Hierarchische Strukturen haben über die Jahrtausende hinweg asymmetrische Beziehungen – zwischen Männern und Frauen, Weißen und Farbigen und Menschen aus verschiedenen sozioökonomischen Klassen – unterstützt, welche die Menschenwürde untergruben. In unserer jetzigen Gesellschaft gibt es funktionale Überbleibsel aus diesen vormodernen Zeiten, welche die fundamentalen Rechte und Freiheiten beeinträchtigen. In vielen Ländern wird nach wie vor Geschlechtertrennung praktiziert, sowie Ethnozentrismus, Rassismus, Nationalismus und religiöse Ausgrenzung. Dies sind deutliche Zeichen dafür, dass die Konsequenzen angewandter Hierarchie trotz des moralischen Fortschritts, den wir als Gattung erreicht haben, immer noch gedeihen. Aus diesen Gründen wird die Hierarchie als vorherrschendes Lenkungsprinzip in menschlichen Beziehungen heute von einigen anerkannten moralisch Progressiven als antiquiert, regressiv und schlichtweg zerstörerisch angesehen. Moralisch Progressive sind hauptsächlich besorgt um die fundamentalen Rechte und Freiheiten, die das Kernstück unseres gegenwärtigen Lebens bilden, und sind zu Recht misstrauisch gegenüber jeglicher Verfechtung nicht hinterfragter Vorstellungen von Hierarchie. Diese Rechte stammen aus der Tradition des politischen Liberalismus und der repräsentativen Demokratie. Wir können diese Rechte und Freiheiten auch als die "Errungenschaften der Moderne" bezeichnen. Diese Errungenschaften garantieren, dass allen Personen als Mensch der gleiche moralische Wert innewohnt ganz egal, wo sie im Leben stehen. Sie sichern die Unantastbarkeit der menschlichen Existenz. Diese Errungenschaften bedeuten Freiheit – das Recht für sich selbst Konzepte des Guten und des guten Lebens zu entwerfen, unabhängig von den Konzepten, die von den anderen in ihrer unmittelbaren Kultur hochgehalten werden. Diese Freiheit wird von einer Reihe von unantastbaren Persönlichkeitsrechten geschützt, die der Staat einem nicht willkürlich wegnehmen kann. Diese Freiheit sichert im Gegenzug das moralische Prinzip, auf dem die moderne Identität ruht: Autonomie. Autonomie kann nur dann gesichert werden, wenn ein Schlüsselfaktor gegeben ist: Gleichheit. Gleichheit meint hier die Gleichheit vor dem Gesetz. Das Gesetz darf niemanden aufgrund von Aspekten seiner Identität, die moralisch neutral sind, diskriminieren: Klasse, Geschlecht, Rasse, ethnische Abstammung und religiöse Zugehörigkeit. Selbst wer moralische Grenzen verletzt und das Gesetz bricht, hat das Recht auf eine gleiche Behandlung vor dem Gesetz. Dieses Recht wird noch von einem anderen moralischen Edikt gestützt, das uns von den alten Stoikern und allen großen Religionen überliefert ist: dem unantastbaren, inhärenten moralischen Wert des menschlichen Lebens und der Würde, die allen Menschen innewohnt. Diese Errungenschaften, die in der Zeit der Aufklärung ihren glorreichen Höhepunkt fanden, verbanden sich schließlich zu einem einzigen Konzept, welches, wenn es von Einzelnen umgesetzt wird, die Grundlage von Vielem wird, was im Menschen als lobenswert und schön angesehen wird: das Konzept der persönlichen Identität. Der Besitz der persönlichen Identität ist eine bespiellose Errungenschaft der modernen Welt. Es emanzipierte den Einzelnen von dem, was historisch bekannt war als Rollenidentität, die an eine bestimmte und weitgehend unveränderbare gesellschaftlich soziale Rolle gebunden war. Aus dem folgt, dass die Vorbehalte jener, die sich gegen eine Rückkehr zu einer Hierarchie stellen, wie wir sie kennen gelernt und miterlebt haben, sehr berechtigt sind. Sie fürchten das Gefangensein in den engen Regeln der Hierarchie und die Eindämmung unserer Subjektivität und unseres Wachstums, wenn unsere Menschlichkeit an diese unflexiblen Regeln gebunden ist. Und doch hat das undifferenzierte Loslassen aller Hierarchie dazu geführt, das Hybris und Narzissmus blühen und sich eine Sicht durchsetzt, in der alle Wahrheitsansprüche, alle Formen der Existenz und des Engagements mit der Welt gleichberechtigt sind. Dies hat uns auch davon abgehalten zu sehen, was eine an Prinzipien orientierte Form der Hierarchie bewirken kann. Ich glaube, wir müssen unsere Vorstellung von Hierarchie revidieren und neu definieren, sodass wir in ihrem Kern ein moralisches Prinzip finden. Ich werde dies als moralische Hierarchie bezeichnen. Ich würde den Begriff moralische Hierarchie als eine beidseitige Beziehung zwischen zwei oder mehreren Personen definieren, in welcher die moralischen Axiome Würde, Souveränität und persönliche Autonomie von allen beteiligten Parteien hochgehalten werden. Außerdem ist das Eintreten in Beziehungen, die von moralischer Hierarchie bestimmt werden, freiwillig. Die hierarchischen Bedingungen werden nur deshalb als bindend akzeptiert, weil diese Beziehung zuvor als Vorbedingung für eine andauernd fortschreitende Sozialisation in der Welt und die Entwicklung des Bewusstseins akzeptiert wurde. Ich möchte hier das Konzept des spirituellen Lehrers als geeignetes Beispiel nutzen, um die Tugenden der Hierarchie näher zu erläutern. In der gegenwärtigen Ausdrucksweise würden wir dies die Lehrer-Schüler-Ausrichtung nennen. Wir können die Personen, die zusammen das moralisch hierarchische Prinzip verkörpern, in zwei Lager aufteilen. Den Unterlegenen, oder den Schüler können wir hier als den Hierarchisierten bezeichnen, und den Lehrer oder den qualifiziert Überlegenen als den Hierarchisierenden. DER HIERARCHIESIERTE Wer jemanden als höher entwickelt anerkennt, begeht einen Akt des Glaubens und des Vertrauens. Sie oder er urteilt sowohl kognitiv als auch instinktiv – kognitiv, weil aus Vernunftgründen die Notwendigkeit für eine moralische und spirituelle Nachahmung eingesehen wird. Es wird gewusst, dass man selbst nicht die Quelle allen Wissens sein kann, welches nötig ist, um erfolgreich am Leben teilzunehmen. Der Hierarchisierende wird genau geprüft, bevor man sich hingibt. Urteile werden auch aus dem Bauch heraus gefällt. Der innewohnende Geist wird erkannt; der Geist, der die Lektionen beherbergt, die Einsichten, die Weisheit, oder vielleicht auch nur das hohe und entwickelte Bewusstsein des anderen. Es werden keine Worte gesprochen. Keine Gedanken offenbart. Unmittelbar durch die tiefsten Schichten des intuitiven, nichtreflexiven Seins hindurch wird die Gegenwart des Authentischen und Genuinen gewusst. Das Bedürfnis, sich in die Hand eines höher Entwickelten zu geben, entspringt dem moralischen Mittelpunkt unserer Seele. Dieser Akt jedoch hat mehr Gewicht als die passive Unterwerfung. Er ist eine radikale Form der Intersubjektivität. Er gibt einem die Freiheit, sich zutiefst von einem Anderen berühren zu lassen, und die spontanen Gesten und Reaktionen zuzulassen, welche aus einer solchen Begegnung erblühen, um eine neue Identität zu formen. Ein solcher Akt mag sich den Etiketten und der Terminologie der sozialen Welt widersetzen. Er korrespondiert dennoch mit dem psychologischen und moralischen Terrain unseres inneren Lebens. Dies ist die Gaben gebende Natur, die uns in unserer Menschlichkeit zu Eigen ist. Sie hängt nicht von der politischen Gesellschaft ab, in der wir leben. Diese Gaben gebende Natur ist unsere demütige Fähigkeit, vor dem Anderen im Geiste der Gegenseitigkeit niederzuknien, in respektvoller Brüderlichkeit und Schwesterlichkeit und zu sagen: Ich bin nicht so perfekt, dass ich mich dem widersetzen könnte, dir einen Teil meiner fortlaufenden Sozialisation und Identitätsbildung als Mensch anzuvertrauen. Mit dir, mein Freund, wird sich meine Menschlichkeit, ganz unabhängig davon, woher sie stammt, kontinuierlich erweitern und mich an Orte führen, die ich mir nie hätte vorstellen können. Dieser Gaben gebende Impuls ist daran beteiligt, wie wir als Menschen auf natürliche Weise Werte schaffen. Er ist das, was ich als kreativen sozialen Umgang bezeichnen würde. Er lässt die angewandte kreative moralische Vermittlung entstehen. In der Gegenwart eines moralischen Hierarchisierenden fühle ich die Gegenwart der Gottheit. Eine klare geistige Wahrnehmung erlaubt es mir, einen echten Hierarchisierenden von einem Scharlatan richtig zu unterscheiden und, was vielleicht noch wichtiger ist, mein eigenes Streben nach Bewusstseinsentwicklung zu unterscheiden von dem infantilen Bedürfnis nach einer anderen Person, nur um die Leere in mir zu füllen. Die Bereitschaft, sich als Mensch einem Anderen hinzugeben ist nur möglich in einem moralisch geordneten, auf Prinzipien basierenden hierarchischen System von Beziehungen, in dem jeder die Notwendigkeit und den Wert des Anderen anerkennt. Man kniet nieder und sagt: Uns ist die Menschlichkeit gemeinsam und in den Räumen dieser heiligen Menschlichkeit wird etwas Göttliches erreicht. Ich öffne mich wie eine Leinwand, damit du deine Weisheit auf ihr eintragen kannst, deine Lehren, deine Großzügigkeit und damit du mir deine Erleuchtung mitteilen kannst – oder was immer du an Samen davon in deiner eigenen Seele entdeckt hast. Die Offenheit des sich Unterwerfenden ist ein Akt der erleuchteten Demut. Erleuchtet, weil gewusst wird, dass es einem nicht möglich ist, sich auch nur einen kleinsten Teil des evolutionären Bewusstseins von sich aus anzueignen. Geistiger Narzissmus wird durch respektvolle Symbiose ersetzt. Der große Moralphilosoph Immanuel Kant hat diese gegenseitige Abhängigkeit unter Menschen erkannt und er sah, dass die moralische Einbindung dabei hilft, die Befähigung zur Vernunft im Menschen zu kultivieren. Er schreibt: Am Menschen (als dem einzigen vernünftigen Geschöpf auf Erden) sollten sich diejenigen Naturanlagen, die auf den Gebrauch seiner Vernunft abgezielt sind, nur in der Gattung, nicht aber im Individuum vollständig entwickeln. Die Vernunft in einem Geschöpf ist das Vermögen, die Regeln und Absichten des Gebrauchs aller seiner Kräfte weit über den natürlichen Instinkt hinaus zu erweitern, und kennt keine Grenzen ihrer Entwürfe. Sie wirkt aber selbst nicht instinktmäßig, sondern bedarf Versuche, Übung und Unterricht, um von einer Stufe der Einsicht zur andern allmählich fortzuschreiten. * Kant fährt fort, indem er sagt, dass ein Individuum eine Ewigkeit leben müsste, um all seine natürlichen Fähigkeiten entwickeln zu können. Aufgrund der Kürze und Begrenztheit des menschlichen Lebens würde es lange Zeit dauern und Generationen von Menschen erfordern, die ihre Erleuchtung an die jeweils folgende Generation weitergeben, "um endlich [die] Keime in unserer Gattung zu derjenigen Stufe der Entwicklung zu treiben, welche ihrer Absicht vollständig angemessen ist". Nach Kant ist es die Absicht, Menschen von natürlichen Kreaturen – Kreaturen im wahrsten Sinne des Wortes, ohne moralische Persönlichkeit – in moralische Individuen zu verwandeln. Die Natur verteilt die Mittel des evolutionären Bewusstseins nicht willkürlich. Die einzelnen Mechanismen werden auf verschiedene Weisen angeeignet. Eines ist jedoch klar, nämlich dass das vorsichtige Beobachten der hierarchischen Schritte, die nötig sind, um dieses göttliche Geburtsrecht zu erwerben, eine unbedingte Voraussetzung dafür ist, wenn man auch nur den kleinsten Teil davon erreichen will. Das Paradox ist verzwickt: Die gleichen innewohnenden moralischen Werte für jede Person anzuerkennen und gleichzeitig die radikale unterscheidungslose Sprache des Egalitarismus zu vermeiden. Das Versagen des Letzteren resultiert in kognitiver Hybris oder inaktivem Zuschauen, wo wir einfach nur der spirituellen und evolutionären Arbeit derer zuschauen, die sich um der Menschheit willen bemühen, ohne selbst ein gehorsamer Teilnehmer in diesem organischen Prozess zu sein. Dietrich Bonhoeffer sagte einmal: "Gott ist mitten in unserem Leben jenseitig." Ich habe oft über diesen Satz nachgedacht, und ich staune jedes Mal über die Hoffnung und das Gefühl dieser freudigen Erregung, die er erzeugt, wenn ich morgens aufwache und ich mich frage, wie viel näher ich in dieser Reise dem Gott in mir gekommen bin. Wie kommt es, dass einige Leute diesem Großen Jenseitigen näher sind als andere? Leben sie ein frommes Leben? Profitieren sie von eindrucksvollen und phänomenalen Erfahrungen, die ihr Leben für immer veränderten auf eine Art und Weise, die sich den linearen, konzeptuellen Erklärungen entzieht? Wurden sie durch einen Akt der Gnade erschüttert und in Sphären katapultiert, die ihnen die größere Nähe zum Göttlichen unmittelbar bewusst machte? Wenn dem so ist, wie komme ich dort hin? Die Fähigkeit, in der Abwesenheit von Antworten eine tiefe Sehnsucht aufrecht zu erhalten, erscheint, wenn man ein Bittender bleibt. Man gibt sich dem Ruf einer Kraft hin, deren Reaktion teilweise in der Humanität eines Anderen liegt. Das ist kein verschleierter Masochismus (auch wenn es so sein kann). Es ist eher die moralische Verpflichtung, die Gottheit, die man spürt, zu erwecken, obwohl einem die Ausgrabungswerkzeuge fehlen, sie zutage zu fördern. DER HIERARCHIESIERENDE Er oder sie ist im Besitz der Werkzeuge. Durch die Gabe der Gnade, durch Einsichten geformt in hingebungsvoller Meditation oder durch die transformierende Kraft des Leidens und der Erlösung – auf welche Weise auch immer der Hierarchisierende in den Besitz dieser Gabe kam, er verkörpert das moralisch hierarchische Prinzip. Sein moralisches Gravitationszentrum ist der Sitz des Mitgefühls und demütigen Dankbarkeit für die Segnung, ein höherrangiges Wesen zu sein. Der Hierarchisierende hat als die Verkörperung der moralischen Hierarchie eine heilige Verantwortung. Er ist von dem brennenden Verlangen getrieben, die Entdeckung des Gottes hervorzurufen, der in dem Großen Jenseitigen in uns existiert, das bedeutet, das Ich von seiner verdrehten inneren Logik zu befreien, von seinen Rechtfertigungen, seinen Rationalisierungen und Obsessionen. Als edle spirituelle Kartographen nehmen uns die moralischen Hierarchisierenden die Last des Versteckspiels mit uns selbst. Manchmal, in meditativer Reflexion, frage ich mich: "Warum spielst du versteck mit dir selbst?" "Warum spielen die, die du kennst, insgeheim solche Spiele?" Die Antwort darauf ist, glaube ich, dass wir dieses Spiel spielen, weil es uns Erleichterung, von der Last dessen garantiert, was wir immer wieder getrieben sind zu suchen, unsere rohe, nackte Singularität. Unsere Singularität erschreckt uns. Sie ist nicht zu verwechseln mit Individualität, die wir oft mit der Art Musik verbinden, die wir hören, mit den Werten und Prinzipien, an denen wir selbstgerecht festhalten, oder mit unserem tiefsten Selbstbild. Singularität ist die Verkörperung unseres gesamten Seins – bis hinunter zu den kleinsten zellularen und mikroskopischen Aspekten unseres physischen Körpers – sowie den nichtsubstantiellen, immateriellen Geist, der sowohl den inneren als auch den äußeren Bereich unseres Körpers umfasst. Unsere Singularität erschreckt uns, weil wir wissen, dass es da keinen anderen so wie uns gibt. Das Leben getreu seines architektonischen Geistes zu leben, im Einklang mit den Anforderungen seiner Identität zu leben (die zwar einzig und allein unsere eigene ist, aber Anteil hat an einer größeren Singularität – der Einen – , von der unsere unbestreitbar eigene Version ihren Abdruck ableitet), heißt allein zu leben inmitten von Anderen. Der moralische Hierarchisierende ist als spiritueller Lehrer wie der tapfere Bodhisattva, der uns mit der gesegneten Einsamkeit versöhnt, indem er uns einen Weg zu unserer eigenen Singularität zeigt. Er ist unser Lenker, unser beständiger Partner und strenge Autorität des So-Nicht-Ethos, der unsere Entfaltung formt. Ich würde eher eine besondere Betonung auf den So-Nicht-Ansatz legen, im Gegensatz zu einem, nennen wir es mal, beratenden, allgegenwärtigen Pfad der Rettung. Das ist es, was konventionelle Religion, New Age-Spiritualität und traditionelle Sozialisierungsmethoden anzubieten haben. Zweifelsohne braucht eine gut funktionierende zivile Gesellschaft solche Methoden der Charakterformung. Der moralische Hierarchisierende jedoch hegt eine respektvolle Verachtung für diese moralische Charakterbildung, die nicht gleichzeitig dem Individuum die Kraft verleiht, den Geist zu lokalisieren und den Keim Gottes zu befreien, der in unseren Seelen begraben liegt. Menschen, die "stecken geblieben sind", sind Menschen, die in sich selbst fest stecken. Sie sind Personen, die unfähig sind, sich außerhalb ihrer Haut und ihres Charakters zu begeben. Der moralische Hierarchisierende ist jemand, der beim Auseinandernehmen des Charakters hilft, und ist kein und kann auch kein traditioneller Freund sein. Alle großen Hierarchisierenden von Christus bis Mohammed, von Buddha bis Gandhi haben Wut, Verwirrung und Zerstörung angerichtet in den "Nervensystemen" derjenigen, die zu befreien sie sich getrieben fühlten, indem sie ihre eigene überhöhte Menschlichkeit mitteilten. Dieser Punkt muss in jeder Diskussion über moralische Hierarchie betont werden. Es gibt in unserer postmodernen Zeit des wuchernden Narzissmus und des Solipsismus – wo viele sich weigern, ihre eigene private Wahrheit einem objektiven Test zu unterziehen – eine Neigung zum "Kuscheln" im Namen der Sensibilität, der "privaten Meinungen, des "So-bin-ich-eben"-Codes des Einzelnen. Uns entgeht, dass dieser Ansatz weit davon entfernt ist, die Würde zu schützen, sondern, im Gegenteil, im tiefsten Sinne des Begriffs eine Verletzung der Würde ist. Dieses "Kuscheln" ist nicht bloß eine Herablassung; es bedeutet nicht bloß, Menschen zu erlauben, in hartnäckigen infantilen Impulsen zu verharren, die später in die trügerische Vortäuschung eines authentischen Charakters hineininterpretiert werden. Ja, die Formung des Charakters ist eine Voraussetzung dafür, den Gott zu erkennen, der das Große Jenseitige in uns ist. Aber dieses "Kuscheln" fördert und unterstützt den Prozess der menschlichen Rückentwicklung: den systematischen Prozess des Abstiegs von einer höheren zu einer niedrigeren Ebene der effektiven Macht oder Vitalität oder wesentlichen Qualität. Viel ist darüber schon geschrieben worden, auf welche Weise egobesessene Denkmuster gegenüber dem evolutionären Bewusstsein feindselig sind. Der Verdienst des Hierarchisierenden ist nun die disziplinarische Methodologie, die kompromisslos ist, unflexibel und ohne Ausnahmen in ihrer Anwendung. Gerade dieser letzte Teil muss sogar noch mehr hervorgehoben werden. Wenn wir uns mit dem materiellen Bereich der menschlichen Entwicklung beschäftigen, sind wir flexibel, provisorisch und bereit zur Anpassung. Da wir als körperliche Wesen nicht unfehlbar sind, lernen wir durch unseren Verstand, durch Beobachtung, durch Versuch und Irrtum und durch Abstraktion die Wege und Seitenwege des physischen Überlebens. Der moralische Hierarchisierende als spiritueller Lehrer jedoch kümmert sich ausschließlich um das Immaterielle, wenn er uns auf den Weg des evolutionären Bewusstseins bringt. Kompromiss würde schließlich bedeuten, so zu tun, als ob der Gott in dem Großen Jenseitigen in uns allen als ein anderer Gott in jedem körperlichen Haus existiere. Hier liegt der Unterschied zwischen der New Age-Spiritualität und einem authentischen Lenker zum evolutionären Bewusstsein. Unantastbare Würde ist der Ort unserer Singularität. An diesem unverletzbaren Ort wohnt der Gott im Großen Jenseitigen. Hier liegt das Paradoxon. Es ist das Geheimnis, worüber es zu kontemplieren gilt. Und hier ist die zeitlose Gabe des moralischen Hierarchisierenden in der Rolle des spirituellen Lehrers: Die Entdeckung und die Praxis der Singularität braucht eine nicht zu durchbrechende Uniformität und eine unerbittliche Kompromisslosigkeit. Jason D. Hill, PhD., ist Außerordentlicher Professor der Philosophie an der DePaul Universität und war 1999-2000 an der Cornell Universität ein Mitbruder der Society for the Humanities. Er ist Autor von Becoming a Cosmopolitan: What It Means to Be a Human Being in the New Millenium und schreibt zur Zeit an einem Buch über das Thema der moralischen Hierarchie. * Berlinische Monatsschrift, November 1784: S. 385 – 411, zweiter Satz
|
|||||||||||||