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1 | 2 In einer Zeit, in der das Hohelied der Selbstakzeptanz zu immer geringeren Erwartungen führt, will ein ambitioniertes Kampfsport-Trainingsprogramm Mittelmäßigkeit durch Meisterschaft Ersetzen. In unserer postmodernen Welt sind traditionelle charakterliche Tugenden wie Demut, Integrität und Selbstdisziplin allzu oft der Selbstakzeptanz, Selbstherrlichkeit und der Nachsicht mit sich selbst gewichen. In einigen Bereichen, in denen urteilen ein Vergehen und die Bestätigung der eigenen Persönlichkeit ein Menschenrecht ist, halten viele sogar die Idee, einen Sieg über die (eigene) Mittelmäßigkeit anzustreben, nicht nur für antiquiert, sondern für emotional schmerzhaft und unter Umständen sogar für psychologisch riskant. Nicht so Tom Callos, Träger des Schwarzen Gurtes 6. Grades und Begründer des "Ultimate Black Belt Test“ (UBBT). Und auch nicht die mehr als neunzig Männer und Frauen, angefangen vom vierzehn Jahre alten Joel Snyder bis zum 65jährigen Dave McNeill, die sich für das extreme zweijährige Trainingsprogramm für Kampfkunst-Lehrer angemeldet haben, das entwickelt wurde, um die Welt der Kampfkünste neu zu beleben und zu revolutionieren. Für Callas und seine Schüler, die bereits Träger des Schwarzen Gurtes sind und von denen die meisten über die USA verteilt ihre eigenen Schulen besitzen, ist Selbstzufriedenheit der Feind von Perfektion und das Leben eine ständige Aufforderung, über die eigenen Grenzen hinauszugehen. "Von den Meistern lernen und sich selbst meistern ...“ sinniert Gary Khoury, von der Khoury Karate-Akademie in Tweksbury in Massachusetts. "Das ist kein Test. Das ist meine Chance ein vollkommen integrierter Mensch zu werden, vollkommen lebendig.“ Der UBBT ist nichts für Wankelmütige. Die minimalen Anforderungen beinhalten 52.000 Liegestütze, 52.000 Crunches (eine neue Form von Bauchmuskelübungen), 1.000 Runden im Sparring, 1.000 Wiederholungen einer ausgewählten Kampfkunst-Form (Kata), 1.000 Meilen gehen oder laufen, 150 Stunden auf der Jiu-Jitsu-Matte, einen einwöchigen Abenteuerkurs in der Natur und das Beherrschen verschiedener Kampfsportarten wie Boxen, philippinischem "Stock-Kampf“ und wirklichkeitsnaher Selbstverteidigung. Aber der Test hört nicht bei physischen Herausforderungen auf. Von den Schülern wird auch erwartet, drei gestörte Beziehungen zu verbessern; drei Fehler in Ordnung zu bringen; täglich zu meditieren; nach einem Meister außerhalb der Kampfkünste zu suchen; zehn lebende Vorbilder zu benennen und zu beschreiben; 1.000 Handlungen der Güte und des Respekts auszuführen und 50.000 solcher Handlungen durch die eigenen Schüler und Gemeinschaft anzuregen; wöchentlich Buch zu führen über Erreichtes und Verlorenes, den Rückschlägen und den Siegen; einen ganzen Tag blind zu verbringen, einen Tag stumm und einen Tag im Rollstuhl; 12 Bücher über Management, Philosophie oder Erleuchtung zu lesen; ein Motivationstraining von Anthony Robbins und ein Body for Life-Programm von Bill Phillips abzuschließen; sowie an einem Projekt zur Reinigung der Umwelt teilzunehmen oder ein solches auf den Weg zu bringen. "Mit dem Ultimate Black Belt Test“, sagt der 46-jährige Callos aus Placerville in Kalifornien, "dachte ich, dass wir eine kleine Armee mobilisieren könnten“–eine ganzheitliche Armee zeitgemäßer Krieger, ausgestattet mit einem zeitgemäßen Krieger-Kodex, nicht nur für die eigene Transformation, sondern auch für die ihrer Schulen, Schüler und ihres sozialen Umfelds. "Was wäre, wenn wir über die kommenden zehn Jahre gemeinsam eine Milliarden Handlungen der Güte ausführen würden?“ fragt Callos. "Was wäre, wenn eine Million Kampfkunst-Schüler und -Lehrer wie ein Desmond Tutu, Nelson Mandela oder Martin Luther King werden würden?“ Für die zunehmende Lehrerschaft des UBBT-Kaders ist das eine Vision, die die persönliche Auseinandersetzung mit den Dämonen der Schwäche, der Trägheit und der Normalität inspiriert. Weil es eine Vision ist, die lebende Beispiele braucht, um sie wirklich werden zu lassen. WHAT IS ENLIGHTENMENT: Was ist der Ultimate Black Belt Test? TOM CALLOS: Der Ultimate Black Belt Test ist eine Heldengeschichte–Auszug, Offenbarung und Heimkehr–und sie zu bestehen, erfordert eine physische, mentale und spirituelle Transformation, die andere Menschen bewegt und aufhorchen lässt. Die Vorbereitung und das Absolvieren des Black Belt Test sollte wie eine Vorbereitung für die Olympischen Spiele sein: Es geht um alles oder nichts und es wird dich verändern. Du gibst alles dafür–hundertprozentig. Du stellst dich den höchsten Ansprüchen. Du trittst aus der Reihe und greifst nach einem Stückchen Vollkommenheit. In der heutigen Zeit sind die Standards für das Erlangen des Schwarzen Gurtes belanglos geworden, deshalb habe ich beschlossen, einen universellen Standard zu etablieren, der dem Schwarzen Gurt seine Bedeutung zurückgibt. Es hat wenig mit körperlichen Techniken zu tun, weil es alle möglichen Stile umfasst, vom japanischen zum okinawischen zum koreanischen und brasilianischen. Für mich bedeutet, den Schwarzen Gurt zu tragen mehr als eine physische Erfahrung. Egal, welche Kampfkunst jemand lehrt, ein Träger des Schwarzen Gurtes sollte einerseits fähig sein präzise, wirkungsvolle, schöne und technisch perfekte Techniken auszuführen. Aber genauso wichtig ist es, dass er klare und schöne Ideen anwendet, genauso oder vielleicht sogar besser als er die physischen Techniken beherrscht. Ein Träger des Schwarzen Gurtes sollte eine Haltung haben, die in ihrer Perfektion seinen oder ihren technischen Fähigkeiten gleichkommt. Was einen Meister ausmacht, ist nicht nur seine physische Perfektion, sondern auch seine geistige Klarheit, seine emotionale Reife und seine spirituelle Bewusstheit. WIE: Sie zitieren Meister Gichin Funakoshi, der vor fast hundert Jahren das Shotokan Karate begründet hat: "Das letztendliche Ziel von Karate liegt nicht in Sieg oder Niederlage, sondern in der Vervollkommnung des Charakters des Übenden.“ CALLOS: Genau. Da gibt es eine ganze Menge Philosophie in der Tradition, aber die Konzepte haben keine Kraft, wenn du sie nicht praktizierst. Da gibt es eine berühmte Geschichte von einer Frau, die zu Gandhi kommt und ihn darum bittet, mit ihrem Sohn darüber zu reden, dass er so viel Zucker isst. "Okay“, sagt Gandhi, "lass mich nächste Woche mit ihm sprechen.“ Also bringt sie ihren Sohn die Woche darauf zu ihm und Gandhi erklärt ihm, dass Zucker nicht gut ist für ihn und fordert ihn auf, weniger davon zu essen. Danach fragt die Mutter Gandhi: "Wieso konntest du ihm das nicht letzte Woche sagen?“ und er erwidert: "Weil ich selbst aufhören musste, Zucker zu essen.“ Es geht also darum, auch zu tun, was man sagt. Respekt ist zum Beispiel etwas, das wir Kindern beibringen, es ist aber meist nicht fassbar. Es hat als Konzept keinerlei Bedeutung. Solange es nicht in die Tat umgesetzt wird, ist es nicht wirklich. Das Gleiche gilt für Lehrer. Wenn du nach deinen Worten handelst, Meisterschaft anstrebst und ein spirituelles Leben lebst, dann wirst du Schüler anziehen. Einer meiner liebsten Sprüche ist: "Wenn der Schüler bereit ist, erscheint der Lehrer.“ Und wenn der Lehrer bereit ist, tauchen die Schüler auf. WIE: Warum finden Sie es so wichtig, permanent die eigenen Grenzen zu überschreiten? CALLOS: Die Essenz der Kampfkunst liegt darin, sich einem sehr hohen Niveau auszusetzen, sehr effizient, mit maximalen Ergebnissen. Wenn wir also über Grenzen reden, dann sage ich automatisch: "Hmm, wessen Grenzen?“ Wir setzen unsere Grenzen willkürlich–mental, körperlich und emotional–abhängig davon, mit wem wir gerade zusammen sind und mit wem wir uns vergleichen. Wenn ich über Menschen nachdenke, die über das Gewöhnliche hinausgehen, wie z.B. die Bürgerrechtlerin Rosa Parks oder die Umweltaktivistin Julia Butterfly Hill, dann denke ich: "Was ist mit ihren Grenzen? Vergleiche ich mich mit den falschen Leuten?“ Wir sind zu so viel mehr in der Lage, als wir uns zumuten. Und um dieses Potenzial zu verwirklichen, müssen wir permanent unsere Grenzen austesten. Unsere Grenzen auszutesten ist wie ein Muskel–wenn du ihn nicht benutzt, dann verkümmert er. WIE: Beim Ultimate Black Belt Test erheben Sie diese Prinzipien auf eine Ebene von absoluten Regeln, indem Sie postulieren: "In diesem Test geht es darum, Hindernisse zu überwinden, nicht ihnen nachzugeben. Es gibt keine Rückzahlung ... stehe es durch oder melde dich gar nicht erst an.“
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