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Ich bin ein Tantra-Meister


Ein Interview mit Barry Long
von Andrew Cohen
 

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Einleitung



Barry Long
"Es geht mir gut, und ich würde mich freuen, wenn wir uns im September treffen könnten; lassen Sie es mich bitte kurz vorher noch wissen. Könnten wir das Absolute dort lassen, wo es immer ist, und über die Liebe zwischen Mann und Frau sprechen, die so absolut problematisch zu sein scheint?" Das schrieb mir Barry Long letzten Sommer …

Es sollte mein zweites Treffen mit Barry Long werden, einem spirituellen Lehrer und selbsternannten Tantra-Meister, der mit Sara, "der einzigen Frau, mit der er zur Zeit Liebe macht", an der Nordküste von New South Wales in Australien lebt.

In den vergangenen zehn Jahren hatte ich immer wieder von Barry Long gehört, ihn jedoch zum ersten Mal letztes Jahr in seinem Landhaus nördlich von Byron Bay getroffen, wo ich gelehrt hatte. Unsere erste Begegnung war warm und respektvoll gewesen. Ich hatte um dieses Treffen gebeten, da ich schon seit sehr langer Zeit neugierig darauf gewesen war, diesen rätselhaften Lehrer kennen zu lernen. Wenn sich zwei Lehrer als Ebenbürtige begegnen, geschieht dies immer in einer Atmosphäre erhöhter Aufmerksamkeit, da beide sich gegenseitig prüfen, um festzustellen, ob der andere auch wirklich echt ist. Bei dieser Begegnung gab es keinen einzigen Moment der Unhöflichkeit, nicht einmal einen Hauch von Konkurrenz. Von seiten dieses Mannes, dessen Lehre offensichtlich ganz anders ist als meine, bekam ich nichts anders zu spüren als Respekt und ein zutiefst bewegendes Zartgefühl, das Kennzeichen eines Menschen, dessen Herz unwiderruflich von etwas berührt worden war, das unendlich größer ist als er selbst. Bei unserer ersten Begegnung verbrachten wir den Großteil der Zeit damit, uns gegenseitig kennenzulernen, und sprachen nur ganz allgemein über unsere unterschiedliche Art, an diese überaus heikle Aufgabe heranzugehen: es zu wagen, andere im Geheimnis der Befreiung zu unterweisen. Mir war bekannt, daß in Barrys Lehre die spirituelle Praxis hauptsächlich darin bestand, "auf die richtige Art Liebe zu machen", und daß dies Barrys einzigartiger und sehr origineller Zugang zum traditionellen Weg des "linkshändigen" Tantra war. Damals wußte ich sehr wenig darüber, was er eigentlich tatsächlich in bezug auf Tantra unterrichtete; ich wußte nur, daß er größten Wert darauf legte. Als ich im letzten September, ein Jahr später, aus Australien zurückkam, hatten wir bereits beschlossen, die nächste Ausgabe von Was ist Erleuchtung? gänzlich der Untersuchung des Zusammenhangs zwischen Sexualität und Spiritualität zu widmen, und es war daher ganz klar, daß wir mit dem Mann sprechen mußten, der sich mit voller Überzeugung als den "einzigen westlichen Tantra-Meister" bezeichnet.

Um mein Treffen mit Barry vorzubereiten, saß ich eines Abends mit den Mitgliedern der Redaktion zusammen, um Auszüge aus seinen Büchern zu lesen, die sich mit dem von ihm gelehrten tantrischen Weg beschäftigen. Zu meiner großen Überraschung geschah etwas völlig Unerwartetes. Nur durch "Zuhören" empfing ich eine Übertragung, d. h. ich hatte eine direkte Erkenntnis darüber, was es ist, das Barry den Menschen mitzuteilen versucht, die zu ihm kommen. Für mich persönlich war das ein wichtiges Ereignis, denn zum ersten Mal in meinem Leben war ich in der Lage, verstehen zu können, worum es bei spiritueller Sexualität überhaupt gehen könnte.

Seit meinem Interview mit Barry habe ich mehr und intensiver über seine Lehre, "auf die richtige Art Liebe zu machen" gelesen, und egal, was man letztendlich darüber denken mag, ob spirituelle Sexualität, in welcher Form auch immer, das Potential besitzt, einen Menschen wahrhaft zur Befreiung zu führen, so besteht doch kein Zweifel daran, daß es sich bei der Lehre von Barry Long um einen ernsten spirituellen Weg handelt, der von jedem, der ihm folgen will, Aufrichtigkeit und tiefe Hingabe verlangt. Obwohl Barry für einen Lehrer von Erleuchtung oft unverschämt, stets verwegen und rückhaltlos romantisch ist, strahlt doch sein ruhiges Verweilen in dem absolut Einen immer durch - speziell dann, wenn man sich sicher ist, daß er gerade einen Schritt zu weit gegangen ist.

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WIE Ausgabe 2:
Unsere Ausgabe zum Thema Sex & Spiritualität?


Interviews mit: Miranda Shaw, Margot Anand, Barry Long, Rabbi Zalman Schachter-Shalomi, Pater Thomas Keating, Bhante Henepola Gunaratana, Swami Chidananda




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