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AC: Ich würde gerne noch etwas mehr über die eigentliche Tantrapraxis im Liebesakt sprechen. Sie haben gesagt, daß man idealerweise diese Art tiefer Intimität mit dem Partner dreimal täglich erleben sollte. Ist diese Intimität, in der es idealerweise kein Wollen oder Nicht-Wollen gibt - sondern einfach Sein -, immer eine Erfahrung ohne Orgasmus für den Mann und hat auch die Frau keinen Orgasmus? BL: Nein, es ist nicht immer ohne Orgasmus. Hier geht es darum, daß Gott Gott liebt, und das ist so, ob es zu einem Orgasmus kommt oder nicht. Dabei verschwinden allerdings Lust und Nicht-Lust auf Liebe gänzlich. Nachdem man es also getan hat, nachdem man einander geliebt hat, gibt es kein Wollen oder Nicht-Wollen; es ist einfach ein Zustand, in dem man sich keine Gedanken macht um Wollen oder Nicht-Wollen, das ist dann von dir abgefallen. So wie das Selbst von dir abfällt, so fällt das eben auch ab. AC: Ich merke, daß diese Art der Praxis, wenn man sich sehr ernsthaft damit beschäftigt, eine Erfahrung tiefster und andauernder Intimität mit dem anderen entstehen läßt, und im zwischenmenschlichen Bereich müßte dann vollkommene Aufrichtigkeit herrschen. Keine Zweifel oder Unstimmigkeiten könnten sich jemals ansammeln, denn wenn es so wäre, würde dieses vollkommene Vertrauen sofort zerstört werden. BL: Ja, genau. Aber wir müssen diese Dinge auch praktisch sehen. Ich versuche nicht, in dieser Existenz etwas Vollkommenes zu präsentieren, so vollkommen, daß es keine Reaktionen mehr gibt. Schließlich hat es der Mann zu Beginn mit einer individuellen Frau zu tun. Auch wenn er das, was er liebt, als das weibliche Prinzip sieht, wenn er diese Frau trifft, hat er es doch zuerst einmal mit ihren Emotionen zu tun, die ihre Vergangenheit sind - ihre früheren sexuellen Erfahrungen und alles andere. Und das steckt in ihrem Körper. Und wenn sie nicht damit begonnen hat, ihre Identifikation mit diesen Dingen abzulegen, kann er sie auch nicht verehren. Er kann physische Liebe mit ihr haben und sich bemühen, sie zu erreichen, aber er wird nicht in der Lage sein, sie zu verehren, aufgrund der Hindernisse, die in ihr sind und die zwischen ihm stehen und dem, was sie wirklich ist. Und was für Frauen gilt, gilt selbstverständlich auch für Männer, und das ist der Zweck des spirituellen Lebens: diese verdammten egoistischen emotionalen Hindernisse loszuwerden, die zwischen uns stehen. Es kann nicht funktionieren, solange nicht beide darin übereingekommen sind, sich gegenseitig dabei zu helfen, diese Dinge loszuwerden und sie nicht ständig Macht über uns gewinnen zu lassen. Auch wenn wir es nicht schaffen, haben wir doch wenigstens den guten Willen, sie loszuwerden. Eines Tages muß der Mann sein Herumziehen von einer Frau zur anderen aufgeben. Das muß aufhören. Okay, es ist in Ordnung; es ist Teil der Erfahrung, Teil des Lebens. Aber wenn er schließlich Gott in verkörperter Form, was das weibliche Prinzip ist, verwirklichen will, muß er die Frau annehmen. Ich habe fünf Frauen angenommen. Ich habe sie fast drei Jahre lang geliebt und gelehrt. Jedes Mal, wenn wir zusammen waren, sprachen wir über die Liebe und über Gott, über das Leben und über die Wahrheit, und wir sprachen alle zusammen, weil alle Frauen zusammen waren, und Eifersucht konnte hier natürlich in keinster Weise existieren. AC: Haben Sie alle zusammengelebt? BL: Nein, aber wir haben uns getroffen, und natürlich geht es darum, der Frau die Eifersucht zu nehmen, das Konkurrenzdenken, denn solange dies nicht geschehen ist, kann das nicht gelebt werden. Und so überwanden diese Frauen ihre Eifersucht, sie überwanden ihr Konkurrenzdenken, denn wenn über Gott gesprochen wird, über ihn gelehrt und wenn er verwirklicht wird, ist diese wunderbare Kraft da, auf die man sich konzentriert und die den Frauen hilft, dasselbe zu tun. Die meisten Männer haben heimlich mit anderen Frauen Geschlechtsverkehr - hinter dem Rücken der Frau, und sie stellt vielleicht fünf Jahre später fest, daß er Affären hat, und ist erschüttert, absolut erschüttert - ich aber tat es in Aufrichtigkeit, Rechtschaffenheit und in Gott. Es ist ungeheuer wichtig für einen Mann, mit seiner Frau über die Liebe, das Leben, über Gott, die Wahrheit und den Tod sprechen zu können. Nun kann sich nicht jeder Mann auf fünf Frauen einlassen und mit ihnen über die Liebe, das Leben, Gott, die Wahrheit und den Tod sprechen und das alles auf die Reihe bekommen. Ein normaler Mann kann das nicht. Er wird sexuell; sein Geist zieht weg und ihr Geist zieht weg, und sie treten in Konkurrenz zueinander. Das kann nur ein Tantra-Meister. Ansonsten ist es eine zu große Anforderung. Aber der Tantra-Meister hat die Kraft dazu. Heute, da ich nur mehr mit Sara lebe, sind diese Frauen da draußen, und sie sind spirituelle Schwestern. Sie lieben einander und haben Eifersucht und Besitzansprüche überwunden, und da sie das erlebt haben, werden sie sich nie mehr von Männern täuschen lassen. Sie wissen um die Sexualität des Mannes, und sie wissen auch, was es heißt, ohne Sexualität und ohne Erregung geliebt zu werden. Und wie ich schon sagte, diese Frauen sind jetzt in der Welt und tun das, wozu sie berufen sind, nämlich mit Männern so ehrlich wie möglich zu sein und Männern mehr Liebe zu bringen. AC: Lehren sie? BL: Nein, sie lehren nicht. Lehren ist nicht Aufgabe der Frau; Aufgabe der Frau ist es zu lieben, um Gottes willen! Sie kann mit ihrer Liebe alles bewirken. Sie kann durch ihre Liebe alles geben und übermitteln, denn das ist ihre Kraft. Ihre Liebe ist die Kraft Gottes in ihr. Sie steht nicht auf und erklärt, daß sie erleuchtet ist, und hält keine Vorträge. Das nicht. Sie ist der empfangende Teil. Sie ist hinter den Kulissen. Aber sie ist unerbittlich damit beschäftigt, den Mann der Liebe gegenüber ehrlich zu machen. Sie ist das, was dem Mann fehlt, und deshalb denkt er unaufhörlich an sie. AC: Könnten Sie ein wenig über die Einstellung sprechen, die ein Mann haben muß, um eine Frau wahrhaft verehren zu können, und auch über die Einstellung, die die Frau haben muß, um den Mann wirklich lieben zu können? Denn soweit ich verstanden habe, geht es eben um diese Einstellung, sowohl bei der Frau als auch beim Mann, wenn sie die Art von neurotischer Selbstbezogenheit, von der Sie vorher gesprochen haben, absolut überwinden wollen. BL: Nun, wie ich schon sagte, ich spreche immer lieber über das Praktische, denn wenn ich es nicht praktisch darstelle, funktioniert es nicht. Und die praktische Realität ist, daß jeder Mann alle fünf Minuten oder so, falls er nicht gerade etwas anderes tut, an die Frau denkt. Und die Frau denkt an den Mann. Das ist die grundlegende Realität unserer Existenz als Männer und Frauen. Aber es scheint so, als wäre es in neuerer Zeit nicht vielen Menschen in den Sinn gekommen, daß genau in dieser Tatsache die Mittel und Wege liegen müssen, die uns zur Wirklichkeit führen - daß diese Grundanziehung etwas enthalten muß, das heilig ist und das ein wirklicher Anfang ist, denn wer ins verkörperte Dasein tritt, kann nur als Mann oder als Frau kommen. Das ist die erste Erscheinungsform Gottes im Dasein: Gott in männlicher oder weiblicher Gestalt. Gott teilt sich, damit die Liebe verwirklicht werden kann, damit Gott verwirklicht werden kann, denn die Frau ist Gott als Form und der Mann ist Gott als Form. Nun, für mich gilt, daß jeder Mensch erkennen sollte, was er im Dasein am meisten liebt. Natürlich liebt er am meisten Gott - und Gott im verkörperten Dasein ist Liebe, und Gott außerhalb des verkörperten Daseins ist Wahrheit. Es gibt keine Liebe ohne verkörpertes Dasein; jede Liebe findet im Dasein statt, richtig? Aber wir bringen alles durcheinander. Die spirituellen Kommentatoren und Lehrer verstehen es nicht. Es gibt Gott außerhalb des verkörperten Daseins, und das kann jeder in seinem eigenen Körper ohne Unterstützung durch einen anderen Körper verwirklichen. Gott auf diese Weise zu verwirklichen ist ohne Zweifel das Einmaligste, Wunderbarste und Herrlichste, aber das ist Gott außerhalb des Daseins, den man in sich selbst verwirklicht. Wenn es aber um Gott im Dasein geht, kann das nur erfolgen, wenn sich Männer mit dem auseinandersetzen, was sie in diesem Dasein am meisten lieben. Nun gut, der Mann hat sein Boot, sein Golf, seine Jagd und dieses und jenes zu tun, aber das sind Ablenkungen, die sein Geist erfunden hat, um ihn vom Grundgedanken fernzuhalten, der ihm in seinem Leben ständig aufgezeigt wird, nämlich: "Ich liebe die Frau." Sein Verstand wird versuchen, das auf eine individuelle, persönliche Frau zu transferieren. Aber in Wahrheit muß er darüber hinausgehen und sich der einfachen Tatsache stellen: "Ich liebe die Frau." Wenn er das tut und wirklich sieht, liebt er das weibliche Prinzip, das Unbekannte in der Frau, die Essenz der Frau, den Gott in der Frau, über den man nicht sprechen kann. Dann kann er auch zum Persönlichen kommen und eine Beziehung oder in der einen oder anderen Weise eine Verbindung zum Körper einer individuellen Frau haben. Dann muß er sich bemühen, diesen Gott, das, was er am meisten liebt, in dieser Frau zu sehen. Und wenn es dann zum Liebesakt mit ihr kommt, darf er sie nicht um seiner selbst willen lieben, wegen des Orgasmus oder wegen seiner eigenen Befriedigung, sondern aus Freude daran, sie zu lieben. Wenn er es aber irgendwie persönlich macht, wenn er selbst darin verwickelt ist, wenn er versucht, etwas zurückzubekommen, dann wird es zu Sex, und er hat es verloren; er hat diese unpersönliche Schönheit verloren. Also muß man sich zuallererst mit der Frage auseinandersetzen: Was liebe ich am meisten in diesem Dasein? Es bringt nichts zu sagen: "Gott", denn Gott ist nicht in diesem Dasein. Wo ist Gott im Dasein? Aha, in dem, woran ich am meisten im Leben denke - in der Frau! Nun kann es nicht diese oder jene Frau sein, denn es gibt so viele. Was ist es dann also? Es ist das Prinzip der Frau, das ich liebe. Natürlich! Es ist diese Essenz, das, was hinter jeder Frau steht. Und sobald der Mann das weiß, ist der Bewußtseinszustand ein anderer. AC: Aber warum lieben Männer Frauen? Warum, abgesehen von der biologischen Notwendigkeit, lieben Männer Frauen, so wie Sie das beschreiben?
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