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Einleitung
Pater Keating war zwanzig Jahre lang Abt der St. Joseph Abbey, eines Trappistenklosters in Spencer, Massachusetts, und ist jetzt, im Alter von vierundsiebzig Jahren, die führende Persönlichkeit in der interkonfessionellen Bewegung zur Wiederbelebung der christlichen kontemplativen Praxis, "Centering Prayer" (Gebet zur Sammlung, A.d.Ü.). Er ist Mitbegründer des Contemplative Outreach (Verbreitung der Kontemplation A.d.Ü.), einer Organisation, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, christliche Kontemplationspraktiken Laien aus allen Konfessionen zugänglich zu machen; er ist Autor einiger Bücher, wie zum Beispiel Open Mind, Open Heart oder Intimacy with God; beide beschreiben den Prozeß der spirituellen Entwicklung, die durch diese Praktiken unterstützt werden soll. Seit Beginn seiner Tätigkeit für "Outreach" trägt Pater Keating zusammen mit einigen seiner Kollegen die Verantwortung für die Entwicklung von Workshops zur Kontemplation und für Retreats. Doch für die Mehrzahl der stets wachsenden Anzahl von Menschen, die von seiner Arbeit profitieren konnten, ist es Keating selbst, der wegen seiner außerordentlichen Wärme und Bescheidenheit das Potential zur Veränderung im "Centering Prayer" repräsentiert. Deshalb ist er stets ein gefragter Vortragsredner und Leiter von Workshops und bewältigt trotz seiner angegriffenen Gesundheit ein anstrengendes Programm, das ihn jedes Jahr in mehrere Städte führt. Keating ist auch dafür bekannt, daß er lebhaft und ungewöhnlich offen an kontemplativen und meditativen Übungen anderer Religionen interessiert ist. Er traf und studierte spirituelle Lehrer aus den unterschiedlichsten hinduistischen und buddhistischen Traditionen und trug vor fünfzehn Jahren zur Gründung der Snowmass Interreligious Conference (Interkonfessionelle Gespräche von Snowmass, A.d.Ü.) bei, wo sich Lehrer aus verschiedenen Traditionen regelmäßig treffen, um Ansichten und Ideen zu vergleichen und die Vor- und Nachteile ihrer jeweiligen Übungen objektiv zu bewerten. Angesichts all dieser Aktivitäten könnte man zu dem Schluß kommen, daß sich Pater Keatings Zölibat von selbst ergibt, so wie es nach seinen eigenen Worten auch in seinen Jahren als Novize der Fall gewesen ist, eben als eine Sache, die neben vielen anderen dringenden Problemen auch beachtet werden wollte. Aber im Laufe seiner dreiundfünfzig Jahre als enthaltsamer Mönch - viele dieser Jahre verbrachte er damit, andere in der Praxis anzuleiten - hat Pater Keating der bedeutsamen Rolle, die das Zölibat im Leben ernsthafter spiritueller Suchender spielen kann, sehr viel Aufmerksamkeit und Überlegung gewidmet, und es ist ein Beweis für die Offenheit seines Geistes, daß er von allen höchst angesehenen Befürwortern des Zölibats, die wir für diese Ausgabe interviewt haben, derjenige war, der sich in einzigartiger Weise klar und mit Bestimmtheit dafür ausspricht, daß der zölibatäre Zustand niemals als höherwertig an sich zu betrachten ist und auch nicht als unabdingbar für das Erreichen eines höchsten spirituellen Zieles. Ziel des Zölibats, so sagt Pater Keating leidenschaftlich, ist "eine immer größere Demut und Reinheit des Herzens … ein Loslassen von Stolz und vom falschen Selbst, damit Gott in uns Gott sein kann." Von grundlegender Bedeutung für diese Einstellung ist das Anerkennen der Tatsache, daß nur durch die Kultivierung dieser Eigenschaften - Demut und Reinheit - und nur durch einen Prozeß "innerer Reinigung" anstatt durch "äußerliche Einhaltung eines Gebots", das Potential jeder spirituellen Praxis, nämlich authentische und dauerhafte Transformation zu bewirken, zur Realität werden kann. Von seiner Einsiedelei in den Bergen aus, im St. Benedikt-Kloster in Snowmass, Colorado, sprach Pater Keating im Oktober 1997 am Telefon mit dem spirituellen Lehrer Andrew Cohen, dem Gründer von Was ist Erleuchtung?, über seine Ansichten.
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