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Wo sind die Frauen? Teil III


Jenseits des Weiblich-Göttlichen
von Elizabeth Debold
 

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Artikel



Elizabeth Debold

Vor einigen Jahren ließ mich ein Zitat von Dorothy Sayers, der christlichen Essayistin und Verfasserin von Kriminalromanen, in meinen feministischen Überlegungen innehalten. "Was dem oberflächlichen Betrachter zunächst auffällt, ist, dass Frauen nicht wie Männer sind", schreibt sie. "Sie sind 'das entgegengesetzte Geschlecht', 'das Gegenüber' sozusagen." (Allerdings weiß ich nicht, warum eigentlich 'entgegengesetzt' warum 'Gegenüber', und wer oder was wäre dann das 'benachbarte' Geschlecht?) "Tatsache ist jedoch, dass Frauen viel mehr wie Männer sind als irgendetwas anderes auf dieser Welt." Nachdem ich Jahre mit der Erforschung von Geschlechtsunterschieden verbracht hatte, erschien mir ihre Äußerung des Offensichtlichen wie eine äußerst erfrischende Überraschung.

Um die Unterschiede zwischen Männern und Frauen wurde schon so viel Wind gemacht – Mars und Venus, Hund und Katz – dass es manchmal so aussieht, als gehörten wir zwei unterschiedlichen Spezies an. Die einfache Tatsache des Geschlechtsunterschiedes hat die Menschheit seit Anbeginn ihrer Kultur verwirrt. Die meisten alten Kulturen – ebenso wie Ureinwohner weltweit – übersäten die Himmel mit männlichen und weiblichen Gottheiten, die unterschiedliche Kernaspekte des Schöpfungsprozesses und der Erfahrung des Lebens repräsentierten. Irgendwie haben wir immer geglaubt, dass die Tatsache, dass wir zwei sind, nicht eins, eine geheimnisvolle Bedeutung in sich trägt.

Offen gesagt, ist es selbst heutzutage, trotz unseres hohen wissenschaftlichen Entwicklungsstandes, immer noch ein Mysterium, warum wir als zwei Geschlechter existieren. Warum hat intelligentes Leben nicht so weitergemacht, wie es begonnen hatte – durch eine Art des Klonens? Biologen argumentieren, dass aus der Vermischung der DNA zweier Elternteile bedeutende evolutionäre Vorteile entstehen. Durch das Kombinieren von DNA wurde Veränderung zu einem wesentlichen Bestandteil im Fortpflanzungsprozess. Könnte die Existenz von zwei Geschlechtern tatsächlich ein tieferes Muster im Universum widerspiegeln – zwei grundlegende Kräfte ausdrücken, das Männliche und das Weibliche, die nicht nur menschlich sondern kosmisch sind? Schwer zu sagen. Erik Erikson, ein Pionier der Psychologie, stellte fest, dass bei kleinen Kindern, die mit Bausteinen spielten, die Buben hoch aufgerichtete Türme bauten, während die Mädchen kreisförmig geschlossene Räume schufen. Er war nicht der Ansicht, dass die Kinder zufällig Strukturen konstruierten, die ihre anatomischen Unterschiede widerspiegelten – er meinte sogar, dass die auswärtige Projektion unserer Erfahrung von Verkörperung ein primärer Ausdruck für uns ist, mittels dessen wir die Bedeutung des Lebens erfassen. Über einen Großteil unserer menschlichen Zivilisation hinweg haben wir zum Beispiel unsere inneren Erfahrungen auf die uns umgebende Welt projiziert, Gottheiten erfunden, welche die geheimnisvollen Kräfte widerspiegeln, die in uns am Werk sind. Aphrodite, die Göttin der Liebe, Mars, der Gott des Zornes. Sind männlich und weiblich, Yin und Yang nur weitere Projektionen unserer Erfahrung auf die kosmische Leinwand? Oder ist es genau umgekehrt – gibt es zwei heilige kosmische Prinzipien, die sich physisch in Form von Mann und Frau manifestieren und als männlich und weiblich in der menschlichen Psychologie ausdrücken?

Macht das einen Unterschied? In den jüngsten Ausgaben dieser Zeitschrift habe ich gefragt: Wo sind die Frauen, die das Bewusstsein auf die nächste Ebene menschlichen Erwachens heben wollen? Antworten aus aller Welt, hauptsächlich von Frauen, überfüllten mein E-Mail-Postfach. So etwas hatten wir noch nie zuvor erlebt. Im Großen und Ganzen argumentierten die Frauen, die uns antworteten, dass unsere globale Kultur von einer hypermaskulinen Ideologie geformt worden sei, die auf das von der Natur akribisch genau und sorgfältig gewobene Netzwerk des Lebens zerstörend wirke. Sie betonten auch, dass Frauen in jedem Winkel der Erde daran arbeiteten, eine weibliche Ausdrucksform des Bewusstseins von Führung und sozialer Veränderung hervorzubringen, um den Planeten zu transformieren. Es ist offensichtlich, dass Frauen sich leidenschaftlich um eine Führungsqualität bemühen, welche die Menschheit voranbringen kann. Ich kann mir nichts Spannenderes denken – seit den Sechzigern ist der weibliche Geist entflammt und verbreitet sich wie ein Lauffeuer rund um den Globus. Aus ganzem Herzen bin ich der Ansicht, dass das so weitergehen muss. Allerdings glaube ich auch, dass es um viel mehr geht, als das Weibliche an die Führungsposition zu lassen, damit die Welt transformiert wird. Wenn wir annehmen, dass das Weibliche und das Männliche primäre, heilige Kräfte sind, die durch Männer und Frauen verkörpert werden (obwohl in jeder Verkörperung beide Aspekte enthalten sind), dann wäre der evolutionäre Fortschritt, den wir machen könnten, immer begrenzt durch unsere Vorstellung, wer wir als Frauen oder Männer sind. Und darum frage ich: Gibt es vielleicht etwas jenseits unserer Vorstellungen von weiblich und männlich, etwas, das ein neues Potenzial für die Menschheit bedeutet, und zwar für Frauen und Männer gleichermaßen?

An anderer Stelle habe ich einmal geschrieben, dass die Geschlechtszugehörigkeit das Herz einer Kultur bestimmt. Die Geschlechtszugehörigkeit ist ein so primäres, die intimsten Aspekte bestimmendes Organisationsprinzip des menschlichen Lebens, dass es fast undenkbar ist, nach neuen Wegen des Seins zu suchen, die uns über zutiefst Vertrautes hinausführen könnten. Unsere Kulturen, insbesondere jene, die den größten globalen Einfluss haben, sind patriarchalisch – was bedeutet, dass sie sich aus gesellschaftlichen Strukturen entwickelt haben, in denen die Männer die Macht und das Sagen haben. Nicht nur, dass die Männer die Herrscher sind, sondern dass die Frauen sehr oft als die geringere, schwächere und zu Recht untergeordnete Version des Menschengeschlechts angesehen werden – was zu so bestürzenden Ereignissen in der Menschheitsgeschichte geführt hat, wie der Diskussion im Christentum, ob Frauen überhaupt eine Seele haben. In vielen unserer Gesellschaften, vielleicht sogar den meisten, agiert das Patriarchat auf der Basis eines "Dominator"-Modells, wie es die Historikerin Riane Eisler bezeichnet, innerhalb dessen jeder, ob weiblich oder männlich, durch die Dynamik von Herrschaft und Unterdrückung in ihrer oder seiner Entwicklung verkrüppelt wird.

Wie wachsen wir über diese Dynamik hinaus, wenn sie doch mit unserem Selbstverständnis als Mann oder Frau so eng verflochten ist? Wenn wir uns Einsteins oft zitierte und zutreffende Bemerkung zu Herzen nehmen, dass Probleme nie auf derselben Ebene gelöst werden können, auf der sie geschaffen wurden, scheint es zweifelhaft, ob wir letztendlich in der Lage sein werden, das zweifache Problem des Patriarchats – die Dynamik zwischen Männern und Frauen und die Art, wie unsere männlich dominierten Kulturen funktionieren – innerhalb eines Rahmens zu "lösen", der die Lösung noch immer aus unseren bestehenden Konzepten von Geschlechtszugehörigkeit bezieht. Wie dem auch sei, der Bedarf nach einer neuen Art der Führung, einer Führung, die jene Werte einbezieht, die traditionell den Frauen zugeschrieben wurden – Fürsorge, Kommunikation, Einbeziehen – ist entscheidend wichtig.

Während es wichtig ist, die Spannung zwischen der Notwendigkeit einer Lösung jenseits Geschlechtszugehörigkeit und der unmittelbaren Notwendigkeit für "weiblichere" Werte in den Führungsebenen aufrecht zu erhalten, möchte ich drei Schlüsselthemen näher betrachten, die sich aus den unterschiedlichen Antworten auf meine Frage "Wo sind die Frauen?" ergaben. Diese Themen enthalten einige verbreitete Annahmen hinsichtlich der Führungsqualitäten von Frauen. Angesichts des ehrlichen Wunsches der Frauen, die Welt zum Besseren zu verändern, glaube ich, dass es vordringlich ist, uns über diese Annahmen klarer zu werden, damit wir erkennen können, wohin sie uns führen. Dann können wir eher entscheiden, ob wir wirklich in diese Richtung gehen müssen und wollen.



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