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Kosmic Kwestions


“Ihr könnt mich alles fragen,” sagte Ken unseren neugierigen Redakteuren. Und das haben wir getan . . .
 






Ken Wilber

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Jede neu in Erscheinung tretende Weltsicht, die in der Gesellschaft zunehmende Bedeutung gewinnt, sieht sich einer Anzahl von Herausforderungen und Gefahren von innen und außen gegenüber. Wird sie überleben? Wird sie inmitten von Kontroverse und Kritik gedeihen können? Wird ihre wesentliche Botschaft verständlich und intakt bleiben, auch wenn sich immer mehr Menschen dazu bekennen?

Welche wichtigen Herausforderungen und Gefahren siehst du in den kommenden Jahren für die Theorie und Praxis einer integralen Spiritualität voraus, die mit zunehmender Akzeptanz in unserer postmodernen Kultur auf sie zukommen werden? Wie muss sie sich entwickeln, um diese Stürme zu überstehen?

KW#

Denkt daran, dass integrale Spiritualität einen großen Vorteil hat. Wenn die Entwicklungsstudien richtig sind, dann ist das integrale Bewusstsein selbst keine Idee, keine Einstellung, kein Glaube, sondern eine wirkliche Ebene oder Stufe der Entwicklung. Eine Stufe ist per Definition etwas, durch das jeder im Laufe der Entwicklung hindurchgeht. Das bedeutet, dass ein integrales Bewusstsein nicht von mir oder irgendeinem anderen Autor oder Forscher abhängt, sondern dass es etwas ist, das alle Menschen im Laufe der Entwicklung verwirklichen werden. Es gibt andere Faktoren, die eine spezifische integrale Spiritualität hervorbringen, aber der wichtigste ist, dass sie in Türkis oder höheren Ebenen entsteht (s. Diagramm, S. 50). Und weil dies Ebenen sind, die jeder im Laufe der Entwicklung durchschreiten wird, ist eine integrale Zukunft das Geburtsrecht eines jeden Menschen.

Zurzeit wird geschätzt, dass sich annähernd fünf Prozent der Bevölkerung in integralen Wellen (Aquamarin oder höher) befinden, ca. 20 Prozent in der postmodernen grünen Welle, 40 Prozent in der modernen orangenen Welle und 30 Prozent in der traditionellen bernsteinfarbenen Welle. Während sich der "Gravitationsschwerpunkt" unserer Kultur weiter nach oben bewegt, werden diese fünf Prozent weiter wachsen und folglich kann erwartet werden, dass integrale Einstellungen zu verschiedenen Disziplinen–von Spiritualität über Medizin und Politik zu Bildung–zunehmen werden.

Natürlich bedeutet das nicht, dass meine spezielle Version der integralen Spiritualität unter denen sein wird, die überleben. Andere Versionen könnten auftauchen, die mehr Wahrheit, Güte und Schönheit aufweisen. Und wenn das so sein sollte, bin ich hoffentlich der Erste, der sie übernimmt. Aber jede spezielle Theorie wird sich den Standardschwierigkeiten jeder neuen Theorie gegenüber sehen, dazu gehört vor allem die Feindschaft der bestehenden Theorien. Weil bestehende Theorien die Macht, die Anhängerschaft und das Geld haben, sehen sich neue oder in Erscheinung tretende Theorien starrem Widerstand und oft Verfolgung gegenüber. Neue Wahrheit wird immer angegriffen.

Natürlich sieht sich eine neue Theorie, sobald sie in weiteren Kreisen akzeptiert wird, einer ganzen Reihe neuer Hindernisse gegenüber, die größtenteils aus ihr selbst kommen: Wie wird sie nicht zur Routine, fixiert, langweilig, neue Wahrheiten verhindernd, fixiert auf ihre eigene Wahrheit oder den Dharma, steckengeblieben in ihrer eigenen Vergangenheit? Alles was ich sagen kann, ist, dass ich hoffe, lange genug zu leben, um diese Probleme zu sehen!

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In Integral Spirituality machst du die beeindruckende Aussage, dass im Lichte der Systematik integraler Spiritualität "ersichtlich wird, wie wohlmeinend, aber im Grunde genommen bedeutungslos alles ist, was über Spiritualität geschrieben wurde". Kannst du erklären, was du damit meinst?

KW#

Eine der Grundaussagen des Buches ist, dass Spiritualität und Metaphysik in die moderne und postmoderne Welt gebracht werden müssen. Die moderne und postmoderne Welt einfach zu verdammen ist äußerst bedauerlich, besonders, weil die wichtigsten Einsichten der großen Weisheitstraditionen tatsächlich mit den modernen und postmodernen Entdeckungen verbunden werden können und diese dann ihre eigenen außerordentlich wichtigen Wahrheiten hinzufügen können. Momentan haben die großen Traditionen dadurch, dass sie die modernen und postmodernen Erkenntniswege in den Müll werfen, sich selbst dem philosophischen Mülleimer übergeben. Und das ist äußerst bedauerlich.

Die modernen und postmodernen Weltsichten sind, wie sehr sie sich sonst auch unterscheiden mögen, in der Schlussfolgerung vereint, dass jede Art von spirituellen oder metaphysischen Realitäten in einer Reihe von erkenntnistheoretischen Illusionen gefangen sind. Die gemeinhin bekannteste unter ihnen wird "der Mythos des Gegebenen" genannt [definiert und diskutiert im Guru-Pandit-Dialog auf S. 42]. Integral Spirituality zeigt, dass wir uns diesen Rat zu Herzen nehmen können: Wir können den Mythos des Gegebenen meiden, und dennoch jede wichtige Wahrheit der großen Traditionen mit einbeziehen. Dies wird ermöglicht durch die Nutzung einer integralen Systematik. Wenn wir das aber nicht tun, dann bleibt alles, was über Spiritualität geschrieben wurde, zumindest in den Augen der modernen und postmodernen Welt, vom Mythos des Gegebenen und tiefen Illusionen über Wahrheit und Wirklichkeit durchzogen. Und ich denke, sie haben Recht. So versuche ich zu zeigen, wie wir den Mythos des Gegebenen (und andere damit verbundene Probleme) vermeiden und immer noch eine tiefe spirituelle Botschaft vermitteln können.

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Integrale Spiritualität ruft uns auf, viele verschiedene Aspekte unseres Menschseins zu entwickeln–was du die "Linien der Entwicklung" nennst, wie Moral, kognitiv, emotional, interpersonell, spirituell, Selbst, Werte usw.

Welcher Aspekt von uns ist der förderlichste, um höhere Entwicklung und höhere Integration zu initiieren und voranzutreiben?

KW#

Die Fähigkeit des Selbst, andere Perspektiven einzunehmen. Die Fähigkeit, die Rolle von anderen zu übernehmen, Perspektiven zu sehen, die sich von unserer eigenen unterscheiden, sich in die Lage von jemand anderem zu versetzen, dies sind alles Wege, die das Bewusstsein weiten und wachsen lassen. Weitere Unterstützung des Wachstums erfahren wir durch die Fähigkeit zu Bewusstseinstraining, (so wie man es in der Meditation findet) und die Fähigkeit, Zweideutigkeit zu tolerieren. Aber sie spielen nur eine nebensächliche Rolle, verglichen mit der Fähigkeit, andere Perspektiven als die eigene einzunehmen.

Ein Teil des Problems ist, dass die Fähigkeit, sich in die Lage von jemand anderem zu versetzen und die Welt durch die Augen eines anderen zu sehen, eine geistige oder kognitive Tätigkeit ist. Du kannst den Blickwinkel eines anderen nicht einnehmen, indem du deine Gefühle, deine Emotionen oder deine Empfindungen nutzt. Vielmehr ist, sich in die Lage von jemand anderem zu versetzen, eine geistige Tätigkeit. Wenn man kognitiv den Blickwinkel des anderen eingenommen hat, kann man sich in diesen Blickwinkel einfühlen, seine Gefühle dorthin ausdehnen, um ihn zu umfassen, ihn zu lieben, für ihn Sorge zu tragen und so weiter. Aber die Fähigkeiten zu Mitgefühl, Liebe und Fürsorge für eine andere Person beruhen alle auf der Fähigkeit, die Welt so zu sehen, wie dieser Mensch sie sieht, sonst liebt man nur eine Ausdehnung von sich selbst und der eigenen Gefühle. Bedauerlicherweise gibt es eine ungeheuer anti-intellektuelle Stimmung in zu vielen spirituellen Bewegungen. Das ist nicht trans-rational, sondern anti-rational oder sogar prä-rational und dies ist meiner Meinung nach unglaublich bedauerlich. Aber ich bin optimistisch, dass viele der alternativen Auffassungen von Spiritualität dieses Vorurteil langsam überwinden.

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In dem Buch verweist du auf vier Hauptzustände der Bewusstheit, die dem menschlichen Bewusstsein verfügbar sind: grobstofflich, subtil, kausal und non-dual [s. Wilber-Combs-Matrix, S. 54]. Grobstofflich wird mit dem Wachbewusstsein assoziiert, subtil mit dem Traumzustand, kausal mit formlosen Zuständen und dem traumlosen Tiefschlaf, auf non-dual wird verwiesen als dem "immer präsenten Grund aller Zustände". Du gibst auch einen historischen Kontext für das spirituelle Erscheinen und die Vervollkommnung von wenigstens der letzten zwei dieser Bewusstseinzustände und machst darauf aufmerksam, dass Verwirklichungen der Kausalebene in der Achsenzeit der Menschheitsgeschichte auftauchten (vor ca. 2500 Jahren) und non-duale Verwirklichungen fast ein Jahrtausend später.

Konnten wir während des letzten Jahrhunderts das Erscheinen einer neuen Ausformung, einer neuen Art von Bewusstseinszustand miterleben? Bei What Is Enlightenment? haben wir die Entwicklung einer neuen Form der evolutionären Spiritualität mitverfolgt, die auch eine korrespondierende, ziemlich ausgeprägte Zustandserfahrung zu haben scheint. Es ist eine Erfahrung radikaler non-dualer Bewusstheit und erleuchteten Bewusstseins, die nicht getrennt ist von einem kraftvollen, kreativen Ausbruch evolutionärer Leidenschaft und Potenzialität. In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts beschrieb der christliche Autor Teilhard de Chardin genau diese Art von Erfahrung, so wie es auch der indische Weise Sri Aurobindo tat. In neuerer Zeit haben verschiedene evolutionäre Denker über Gipfelerfahrungen geschrieben, die den von diesen beiden Pionieren berichteten Bewusstseinszuständen bemerkenswert ähneln. Der WIE-Gründer Andrew Cohen verweist auf dieses neue Bewusstsein als die Verwirklichung und/oder Erfahrung des "authentischen Selbst". Könnte also dieser gerade erscheinende Zustand non-dualen evolutionären Bewusstseins als Zeichen der Existenz einer weiteren "Zustands-Stufe" gelten, die ein integrales Modell berücksichtigen muss, ein neuer und umfassenderer Zustand des Bewusstseins, der jetzt für die menschliche Bewusstheit verfügbar ist?

KW#

Ich denke, das authentische Selbst, das Andrew beschreibt, ist eine Kombination eines non-dualen Zustandes und einer Stufe des Third Tier (Indigo oder höher). Zum Teil ist es ein Zustand, weil Individuen verschiedener Stufen Zugang zu ihm haben. Aber es ist nicht nur ein Zustand, weil Bewusstseinszustände einander ausschließen. Man kann nicht gleichzeitig betrunken und nüchtern sein; man kann nicht gleichzeitig in einem Traumzustand und einem formlosen Zustand sein und so weiter. Zustände weisen normalerweise keine Entwicklung auf, deshalb sind sie fragmentarisch, egal wie "ganz" sie sich zu einer Zeit anfühlen mögen.

Strukturen oder Stufen hingegen sind einschließend. Wie alle sich entwickelnden Holons transzendieren sie ihre Vorgänger und schließen sie ein (z.B. Zellen transzendieren Moleküle und schließen sie ein, welche Atome transzendieren und einschließen, genauso wie Orange Bernsteinfarben transzendiert und einschließt, welches Rot transzendiert und einschließt, usw.)

Deshalb denke ich, dass die Erfahrung des authentischen Selbst eine Kombination von beidem ist. Auf seinem Höhepunkt ist es ein non-dualer Zustand (weil Subjekt und Objekt eins sind) aber es ist noch nicht wirklich echt, bis nicht wenigstens eine integrale oder die türkise Stufe erreicht wird, und es erblüht nicht wirklich, bevor das Third Tier erreicht wird. Die "evolutionäre" Komponente ist einfach der von der türkisen (oder höheren) Stufe kommende Aspekt, weil die holarchische Evolution erst in diesen Stufen ins Bild rückt und Bewusstsein evolutionär verstanden werden kann.

Meiner Meinung nach ist es also weder ein Zustand noch eine Stufe, sondern das, was jemand auf einer türkisen (oder höheren) Stufe erfährt, der auch in einem non-dualen Zustand ist. Und diese Kombination wird so erfahren: Eins mit der manifesten Welt, verwurzelt in der non-dualen Leere, werden wir tief bewegt und ekstatisch getrieben, ein Teil der Evolution zu sein, indem wir direkt daran mitwirken.

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Zum Schluss möchten wir dich bitten, deiner Fantasie freien Lauf zu lassen. Bitte beschreibe im Strom des Bewusstseins die grenzenlos utopische Vision einer wahrhaft erleuchteten Zukunft ... Einer Welt-Theokratie, in der ein non-dualer Gott das organisierende Prinzip wird. Beschreibe das Jahr 2316 ...

KW#

In Ordnung, aber meine Fantasie wird erstmal blockiert durch das Wort "Theokratie", weil das in der Vergangenheit eine mythische Theokratie bedeutet hat, etwas, das wir jetzt nicht mehr wollen. Geht in den Iran, wenn es das ist, was ihr wollt! Aber eine wahrhaft erleuchtete Zukunft würde meiner Meinung nach eine sein, in der der Schwerpunkt der Kultur bei Violett oder höher ist und die Bewusstseinszustände durch den Willen gelenkt werden, was sicherlich oft von Gehirn/Computer-Schnittstellen begleitet werden wird. Tatsächlich werden alle materiellen Bedürfnisse durch die Nanotechnologie überwunden sein (in dieser Frage stimme ich mit Ray Kurzweil überein) und die Umweltkrise ist seit langem beendet. Das Hauptinteresse solch einer Gesellschaft gilt der Frage, wie man Individuen hilft, sich die große Spirale der Entwicklung und das Spektrum des Bewusstseins hinaufzubewegen, weil alle äußeren Güter und Bedürfnisse vor langer Zeit erfüllt wurden. Was wird solch eine bedauernswerte Kultur tun?

Allein inneres Wachstum wird diesen inneren Ruf beantworten. Und inneres Wachstum erfordert Strukturen und Stufen, welche, anders als Zustände, nicht durch Drogen, Meditation oder das Gehirn manipulierende Maschinen herbeigeführt werden können. Diesem Bedürfnis nach innerem Wachstum zu entsprechen wird die Berufung der integralen Kultur von morgen sein.

Sobald dieser Herausforderung begegnet wird, und ich glaube, es wird passieren, wird das zweite Hauptproblem die einfache Tatsache sein, dass sogar in einer ultravioletten Kultur jeder immer noch auf Ebene eins geboren wird, nämlich auf Infrarot, und seine Evolution und Entwicklung von dort aus beginnen muss. Sogar in der heutigen Gesellschaft, deren Schwerpunkt Orange/Grün ist, wird jeder auf Ebene eins geboren, was der Grund dafür ist, dass wir noch immer Gruppen roter Kultur (z.B. in Straßen-Gangs) oder bernsteinfarbener Kultur (wie es scheint, in ganz Kansas) haben. Aber diese Art von Problemen wird in erdenklicher Zukunft nicht verschwinden, wir müssen uns ihnen kreativ zuwenden.

Dann werden die außerordentlichen Zustände und Stufen des Bewusstseins, die heute nur denen zugänglich sind, die unglaublich hart arbeiten (durch Meditation, Therapie, Yoga usw.) alltäglich für alle sein. Der wahre Grund allen Seins wird so offensichtlich sein wie das ursprüngliche Gesicht eines jeden Menschen, wenn weite Leerheit Freiheit und Fülle für alle Seelen verkündet, wird eine ekstatische Befreiung und ein leiser Ausbruch spirituellen Glanzes jeden und alles durchdringen, und die Ewigkeit sich immer wieder neu in die zeitlichen Geschöpfe verlieben, sodass wir, wenn wir tief nach innen schauen, nur den gesamten Kósmos finden können, mit herumwirbelnden Galaxien, dort, wo vorher dein Herz war, und Supernovas, die explodieren, wo vorher dein Gehirn war, und der Geist selbst so einfach und offensichtlich, wie der Klang des fallenden Regens auf das, was von der alten und verlassenen Welt übrig ist, lang vergangen in der Zeit, niemals zu finden im Raum, dieses einfache und immergegenwärtige Gefühl des Seins, jetzt, und jetzt, und endlos jetzt.



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