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Puls


Ist den globalen Führungskräften, Vordenkern, Lehrern und Mystikern auf der Spur
von Igal Moria
 

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YOGA IM LAND DER PYRAMIDEN

Können Yoga und Koran nebeneinander existieren? In Ägypten scheint dies möglich zu werden, und das sogar auf höchster Regierungsebene. Denn wie WIE erfahren hat, ist Suzanne Mubarak, die Frau des ägyptischen Präsidenten Hosni Mubarak, eine eifrige Übende des Hatha-Yoga. Aber das ist noch nicht alles: Auf der Liste der Ägypter, die Yoga praktizieren, sind führende Regierungsvertreter (und deren Frauen) und die Elite der ägyptischen Wirtschaft und Kultur versammelt.

Alles begann im Jahre 1992, als die indische Botschaft in Kairo ein kulturelles Zentrum eröffnete, in dem auch Dr. Prabhakar Madhikar, ein Experte für Hatha-Yoga, Seminare anbot. Das Interesse war sofort groß, ebenso wie die Ablehnung durch die religiösen Autoritäten. Östliche Religion wird in einem islamischen Land gelehrt? Allah bewahre. Aber der Sturm legte sich, sobald man die religiösen Autoritäten damit beruhigte, dass der Sinn des Yoga nicht die Bekehrung zum Hinduismus ist, sondern dass es einfach nur der Verbesserung der Gesundheit dient. Und sofort hatte der Yogi alle Hände voll zu tun: täglich 3 Yoga-Stunden mit 40-60 Teilnehmern und Privatstunden, um Prominente besonders zu inspirieren. Und bis heute sind die Seminare gut besucht.

Aber die Beziehung zwischen Yoga und dem Islam in Ägypten gleicht eher einer instabilen Waffenruhe als einer friedlichen Koexistenz. Vor einem Jahr zum Beispiel zeigte der ägyptische Fernsehsender Channel 2 eine Sendereihe über Yoga mit Guru Wafaa, einer der ersten ägyptischen Schülerinnen von Prabhakar Madhikar. Als der Obermufti von Ägypten ein Fatwa gegen die Sendung aussprach, wurde sie gestoppt. Aber aufgrund von massiven Protesten der Zuschauer und der Presse (sogar der Obermufti von Saudi Arabien war gegen diese Entscheidung) war Guru Wafaa bald zurück auf dem Bildschirm. Ihre Sendereihe wird jetzt sogar von dem angesehensten Fernsehsender Ägyptens, dem Channel 1 ausgestrahlt. Letztendlich gab sogar der Mufti von Ägypten grünes Licht, und im Moment sieht es so aus, als stünde dem Yoga in Ägypten eine vielversprechende Zukunft bevor.

Immer mehr spirituelle Gruppen und Organisationen wollen sich heutzutage von gedruckten Medien als einem Mittel, das WORT Gottes zu verbreiten, weniger abhängig machen und wenden sich neueren Technologien zu. Die Baha'i-Gemeinschaft in den USA zum Beispiel ist kürzlich mit einer neuen umfassenden Website online gegangen, die für die Baha'i den ersten Schritt darstellt, "Online-Medien als wichtigstes Mittel zur Verbreitung von Inhalten zu verwenden, die für die Baha'i in den USA relevant sind".

Die Baha'i-Website wird auch die zurzeit angesagteste Technologie benutzen–Podcasts, also Audioprogramme, die Sie herunterladen und auf Ihrem MP3-Player anhören können. Obwohl es das Wort Podcasting in der englischen Sprache nicht gibt, ist diese Technologie unter spirituellen Gruppen so verbreitet, dass schon eine neue Bezeichnung gefunden wurde: Godcasting. Und alle folgen diesem neuen Trend: Hare Krishna-Gruppen, jüdische Rabbis, christliche Prediger verschiedener Richtungen, buddhistische Lehrer, New Age-Gurus und muslimische Imams. Sogar Papst Benedikt XVI. macht mit und hat im vergangenen August damit begonnen, seine ganz eigenen Godcasts aufzunehmen.

Mensch–seit Moses Steintafeln sind wir ganz schön weit gekommen!

ETWAS MEHR PLURALISMUS GEFÄLLIG?

Islamische Liberale haben immer behauptet, dass die Angst des fundamentalistischen Islams vor "fremden Einflüssen” dem Geist des Islams in Wirklichkeit fremd sei. Eine herausragende Stimme für diesen Standpunkt ist der pakistanisch-amerikanische Autor und Sozialkritiker Dr. Munawar Anees (in WIE 13 erschien sein Artikel "Welche Zukunft hat die moslemische Identität?"). Anees erinnert seine Zuhörer und Leser daran, dass im goldenen Zeitalter des Islams im muslimischen mittelalterlichen Spanien Juden, Christen und Muslime friedlich zusammenlebten und einander in ihrer Weltsicht und ihrem Denken befruchteten.

Anees, ein Muslim mit weit reichenden Interessen, wurde im Westen wissenschaftlich ausgebildet und ist leidenschaftlich dabei, den Geist dieser glorreichen Zeit neu zu beleben, die eine der produktivsten und kreativsten Epochen der europäischen Geschichte war. Mit diesem Ziel hat er sich auf einen Kreuzzug (Huch!) begeben, um Finanzierungsmöglichkeiten für ein neues vierteljährlich erscheinendes Magazin mit dem Titel "Convivencia” (ein spanisches Wort für Koexistenz) zu finden. Mit dem Wort "Convivencia" wird auch jenes goldene Zeitalter in Spanien bezeichnet, das von solch herausragender wechselseitiger kultureller Bereicherung gekennzeichnet war. Dieses Magazin wird sich mit Themen beschäftigen wie zum Beispiel Bioethik im globalen Kontext, Islam und der Westen, Wissenschaft und Religion, die Zukunft des Islam in einer globalisierten Welt und andere.

Und natürlich ist Anees der perfekte Mann für dieses Unterfangen, hat er doch einige der angesehensten wissenschaftlichen Publikationen der islamischen Welt initiiert und herausgegeben. Dieser mutige Kritiker des islamischen Fundamentalismus und standhafte Vertreter eines kulturellen Pluralismus wurde im Jahre 2002 für den Friedensnobelpreis nominiert.

DEEPAK CHOPRA BRINGT BUDDHA NACH HOLLYWOOD

Die Verwendung von Zelluloid zur Vermittlung ewiger Wahrheiten ist so alt wie die Filmindustrie, trotzdem scheint Hollywood sich schwer damit zu tun, den Erfolg zu verstehen, den kürzlich eine neue Art spiritueller Filme verzeichnen konnte. Mel Gibsons Die Passion Christi war die erste Überraschung, die die Manager der Filmindustrie auf einen Markt aufmerksam machte, der nach religiösem Kino hungert. Aber niemand hatte erwartet, dass der unabhängig produzierte Film What the Bleep mit Filmeinnahmen, die mittlerweile die 12-Millionen-Dollar-Marke überschritten haben, fast genauso viel Erfolg haben würde. Und der Film zieht darüber hinaus eine ganze Welle von Büchern und Studiengruppen nach sich und hat auch in Deutschland eine wachsende Fan-Gemeinde.

Als Hollywood erkannte, dass man für diese Entwicklungen keine Erklärung hat, wandte man sich an Deepak Chopra, den Mann, dem alles zu gelingen scheint, was er sich vornimmt. Und dieser empfahl, einen seiner 46 Bestseller zu verfilmen: das Buch Die Göttliche Kraft. Eintauchen in das Geheimnis der Geheimnisse. Nach den dazu notwendigen Talenten brauchte er nicht lange zu suchen, er fand sie in seinem Wohnzimmer: Sein Sohn Gotham und seine Tochter Malika schrieben zusammen das Drehbuch. Der Film kommt in diesem Jahr in die amerikanischen Kinos und wird sicher auch bald in Deutschland eintreffen.

Aber das ist erst der Anfang. Seit neuestem verbindet sich Chopra mit Babu Subramaniam, dem Regisseur der Serie Emergency Room, um einen Film zu machen, der auf seinem Buch Seelenverwandte basiert und gleichermaßen Hollywood- und Bollywood-Talente nutzen wird. Und in einer filmhimmlischen Hochzeit hat sich Chopra mit Shekhar Kapur zusammengetan, dem einzelgängerischen Regisseur von erfolgreichen Filmen, wie dem für den Golden Globe nominierten Streifen Elizabeth und Bandit Queen, der 1996 den jährlichen Filmfare Award für den besten indischen Film gewann.

Zusammen wollen sie einen Film über das Leben des Buddha drehen, der von Buddhas Kindheit bis zu seiner Erleuchtung reicht. Mit dem passenden Titel Buddha nutzt der Film die Tatsache, dass über Buddhas Jugend wenig bekannt ist. Das gab Chopra und Kapur viel poetische Freiheit, um so viel Sex und Gewalt mit in die Geschichte zu mischen, wie sie wollten. Sex und Gewalt in einem spirituellen Film über einen der größten Asketen der Weltgeschichte? "Unser Ziel ist es, einen populären Film zu machen, der jedes 16-jährige Mädchen in Montana dazu inspiriert, Erleuchtung zu suchen.", sagt Chopra. Und er hat sogar den Dalai Lama veranlassen können, seinen Segen dazu zu geben. "Ich sagte ihm, dass ihm einige der Szenen wohl nicht gefallen würden, aber das störte ihn nicht.”, sagte er. "Der Dalai Lama ist liberaler als die meisten Menschen denken.”



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