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Jenseits von MySpace


Zaadz.com will mit sozialen Netzwerken im Web die Welt verändern
von Maura R. O'Connor
 




In hundert Jahren–nachdem durch die globale Erwärmung die Polkappen abgeschmolzen sind, der dritte Weltkrieg Amerikas kulturelle, ökonomische und militärische Niederlage besiegelt und China die letzten Ölreserven der Welt verbraucht hat–werden Historiker die heutige Jugend Amerikas als die MySpace-Generation bezeichnen. Das allgegenwärtige Internetforum myspace.com, das die Funktion eines sozialen Netzwerks hat, ermöglicht es jedem, sein eigenes Web-Profil einzurichten und dabei mit seinen Freunden auf der gleichen Website in Verbindung zu bleiben. Tatsächlich ist es mittlerweile auf dem besten Weg, die Altersgruppe der Fünfzehn- bis Dreißigjährigen zu charakterisieren.

Wenn Sie denken, dass das eine Übertreibung ist, dann brauchen wir uns nur die Zahlen anzuschauen. Nach nur drei Jahren hat die Website, die im Jahr 2004 von zwei Unternehmern der Generation X gegründet wurde, ungefähr 70 Millionen Mitglieder (das ist fast ein Viertel der US-amerikanischen Bevölkerung), und jeden Tag melden sich 130.000 neue Mitglieder an. Der durchschnittliche MySpace-Nutzer ist zwanzig Jahre alt, verbringt drei Stunden pro Tag auf der Website und hat 68 Freunde im Forum. Berühmtere Nutzer von MySpace, wie z.B. Madonna, haben bis zu 45.000 "Freunde“. Bald werden eine Plattenfirma, ein über Satellit zu empfangender Radiosender und eine Filmproduktionsfirma entstehen, die sich mit dem Markenzeichen MySpace schmücken können.

Wenn man berücksichtigt, auf welche Altersgruppe die Website zielt, ist es nicht verwunderlich, dass dieses explosive Wachstum nicht auf den Radarschirmen der Erwachsenen auftauchte–das heißt, bis der 75-jährige Republikaner und Medienmogul Rupert Murdoch die lukrative drei Jahre alte Website für 580 Millionen Dollar kaufte und damit in der ganzen Welt Schlagzeilen machte. Das Phänomen, das MySpace in der Jugend hervorbringt, wird erst jetzt auch von Kommunikationswissenschaftlern und Soziologen ernst genommen und untersucht. Denn es gibt keinen Zweifel mehr daran, dass diese Website und kleinere Networking-Websites, wie zum Beispiel LifeJournal, Xanga, tribe.net und Friendster, in der jungen Generation neue Formen des Sozialverhaltens etablieren, durch die die Grenzen zwischen realem Leben und Online-Beziehungen oft verwischt werden.

Trotz allem ermöglichen sie es dem postmodernen Nachwuchs von heute, miteinander über eine virtuelle Schnittstelle miteinander in Verbindung zu treten und zu einer größeren Gemeinschaft zu gehören, was die oft isolierten jungen Menschen in ihrer alltäglichen Erfahrung nur schwer finden können.

Das Problem ist, dass außer Howard Dean, der sich 2004 um die demokratische Präsidentschaftskanditatur bewarb und mit friendster.com zusammen arbeitete, um Tausende junger Anhänger zu aktiven Mitarbeitern in der ganzen USA zu machen, niemand dieses neue soziale Medium als Werkzeug für positive politische, kulturelle oder spirituelle Veränderungen nutzt. Ganz im Gegenteil. Wenn Sie ein paar Stunden auf irgendeiner dieser Internetseiten verbringen, werden Sie schnell bemerken, dass sie alle einen tieferen Sinn oder eine höhere Vision schmerzlich vermissen lassen. Und so werden sie schnell zu besseren Foren der Partnersuche oder zu praktischen Ventilen von Exhibitionismus oder jugendlicher Angst. Tatsächlich scheinen diese Internetseiten die Neigung der Generation Y zu einer unglaublichen Selbstbespiegelung und Selbstherrlichkeit zu verstärken, vor allem dadurch, dass sie eine große Plattform für öffentlich zugängliche Online-Tagebücher, Fotos, Lieblingsmusiken und Hintergrundinformationen bieten.

Das ist das Vakuum, das der 31-jährige Unternehmer Brian Johnson mit seiner neuen Website zaadz.com füllen möchte. Sie ist erst sechs Monate alt und erinnert in ihrer Struktur durchaus an MySpace, da sie es den Nutzern erlaubt, ihre Web-Profile und Online-Tagebücher auf dem neuesten Stand zu halten und sich mit ihren Freunden auf der Website zu treffen. Aber Zaadz hat auch ein ernstes Anliegen. Worum geht es dabei? "Ganz einfach“, schreibt Johnson auf zaadz.com. "Wir werden die Welt verändern.“ So verwegen das auch klingt: Zaadz hat sowohl eine genaue Vision als auch Regeln zur Benutzung der Internetseite, die klar stellen, dass jeder, der nicht mit dieser Vision übereinstimmt, gelöscht wird–natürlich nur sein Web-Auftritt. Als die Mitgliederzahlen von Zaadz steil anstiegen, wurden im Februar 1.300 Nutzer von der Seite gelöscht, weil sie die Nutzungsbedingungen nicht anerkennen wollten.

Aber wie wird Zaadz die Welt verändern? Indem es–mit Johnsons Worten–"die inspirierteste Gemeinschaft der ganzen Welt aufbaut ... eine Gemeinschaft von Suchern und bewussten Unternehmern“. Die Logik dahinter ist, dass, wenn du als Nutzer "der Welt in jedem Augenblick deine größten Stärken gibst“, und Zaadz "alles tut, was in seiner Macht steht, um dir dabei zum Erfolg zu verhelfen, und du dadurch wiederum all jene inspirierst und stärkst, von denen du weißt, dass sie das Gleiche tun“, und "wir uns mit Millionen Menschen zusammenschließen, die wie wir sind“, dann "haben wir Milliarden Menschen beeinflusst“, und " (gemeinsam) die Welt verändert“.

Das ist ein maßlos idealistischer Plan, der sich für manche vielleicht naiv anhört. Aber dieser unkontrollierte Enthusiasmus scheint die Menschen anzuziehen, was auch durch die schnell wachsende Beliebtheit von Zaadz bewiesen wird. Innerhalb von vier Wochen, nachdem die Testversion der Website, die für ungefähr 50 Freunde von Johnson gedacht war, online ging, wurden über tausend Menschen Mitglied. Und das ist keine kleine Sache, denn Mitglied bei Zaadz zu werden bedeutet mehr als sich nur anzumelden– es gibt tatsächlich einen Prozess der Bewerbung und Überprüfung, etwas, das in der "freien Demokratie“ des Internets ansonsten unerhört ist.

"Der Kern der Sache ist, dass wir versuchen, etwas Einzigartiges zu kreieren“, schrieb Johnson an die Teilhaber und Mitarbeiter. "Während die meisten Networking-Websites immer mehr zu einer Art Jerry-Springer-Show degenerieren, wollen wir etwas schaffen, das Integrität gegenüber dem selbst gesetzten Ziel ausdrückt. Bei unserem Forum geht es nicht darum, jedem radikal freie Ausdrucksmöglichkeiten zu bieten. Es geht darum, nach seinem höchsten Potenzial zu streben und auch danach zu leben, dem Wohl der Welt zu dienen und dabei positive Veränderungen zu bewirken.“ Um sicher zu gehen, dass Bewerber das verstehen, werden sie gebeten, Fragen zu beantworten, zum Beispiel: "Auf welche Weise widmest du dich der positiven Veränderung in der Welt?“ und "Was möchtest du mit der Zaadz-Gemeinschaft teilen?“

Mittlerweile funktioniert die Webseite, sie wird aber ständig weiter entwickelt. Bald wird es auch Zaadz Pods geben, einen Ort, wo man konzentriert über bestimmte Themen diskutiert, und Zaadz Events, wo man nach allen interessanten Veranstaltungen in einer bestimmten Region suchen kann; Zaadz Match, das einem den Besuch von Nachtklubs zur Partnerfindung erspart; Zaadz Pro Local, eine Art "bewusster“ Gelber Seiten; und Zaadz Grow, eine Anzahl "RICHTIG cooler Werkzeuge“, die entwickelt wurden, um einerseits Mitgliedern dabei zu helfen, herauszufinden und zu definieren, wer sie sind und was ihre Aufgabe ist, und andererseits Ziele in verschiedenen Bereichen vorzugeben, die es ihnen ermöglichen, mit der Veränderung der Welt wirklich Ernst zu machen. Man weiß ja nie. Wenn die Mitglieder von Zaadz es sich wirklich in den Kopf setzen, werden die Polkappen vielleicht nicht abschmelzen. Vielleicht werden dann in hundert Jahren die Historiker die heutige Jugend nicht als MySpace-Generation bezeichnen, sondern als Zaadz-Generation.



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