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Haupt IdeeDie Evolution und die biologische Komplexität sind das Produkt zufälliger Mutationen und natürlicher Selektion auf genetischer Ebene. Was sie sagen. . .Darwins Theorie von Evolution durch natürliche Selektion wird von der Vorstellung bestimmt, dass die vorteilhaften Eigenschaften in einem Organismus es diesem ermöglichen, sich besser an seine Umwelt anzupassen. Diese Eigenschaften überleben in der weiteren Entwicklung und werden reproduziert. Aber Darwin war nicht in der Lage herauszufinden, wie diese Eigenschaften von den Eltern an ihre Nachkommenschaft weitergegeben werden. Erst zwanzig Jahre nach seinem Tod wurde eine Antwort darauf gefunden, als Wissenschaftler auf Gregor Mendels Entdeckung der Genetik stießen. Durch die Verbindung von Darwins und Mendels Ideen schufen die Neo-Darwinisten die so genannte "moderne Evolutionssynthese“, die besagt, dass natürliche Selektion der Mechanismus der Evolution ist und die Gene die Steuereinheiten, auf deren Basis er funktioniert. Für die biologische Vielfalt und neue Erscheinungsformen sind spontane Mutationen im genetischen Material verantwortlich, die dem Organismus einen evolutionären Vorteil verschaffen und dann an die nächste Generation weitergegeben werden. Daher läuft Evolution auf diesen Überlebenskampf der Gene hinaus, oder deren "Egoismus“ (Selfishness), wie es Richard Dawkins bekannterweise formulierte. Während der 70er Jahre entwickelte der Insektenforscher E.O. Wilson einen Bereich der Soziobiologie, der auf dieser Vorstellung gründet. Wilson argumentiert, dass menschliches Verhalten durch Gene und deren Drang zur Reproduktion beeinflusst wird. Im vergangenen Jahrzehnt benutzten die Neo-Darwinisten die gen-zentrische Sichtweise auch, um Fragen außerhalb der Biologie zu untersuchen–vom Bewusstsein (Daniel Dennett) bis hin zur historischen Tendenz der menschlichen Spezies, an einen Gott zu glauben (Dawkins).
Was es bedeutet. . .Der Stellenwert des Neo-Darwinismus ist nicht zu unterschätzen. Seit fast einem Jahrhundert prägt er als fundamentaler Einfluss alle anderen Evolutionstheorien, und ist nach wie vor die vorherrschende Sichtweise, sowohl im wissenschaftlichen Establishment wie auch im kulturellen Mainstream. In den letzten Jahrzehnten kam er allerdings auch von zwei unterschiedlichen Seiten ins Kreuzfeuer der Kritik: Auf der einen Seite argumentieren Wissenschaftler, dass der enge Fokus des Neo-Darwinismus auf zufällige Mutation und natürliche Selektion kaum den Prozess, den wir in der Natur beobachten können, zu erklären vermag. Auf der anderen Seite kritisieren Religionswissenschaftler, wie zum Beispiel Huston Smith, den Neo-Darwinismus für seine antireligiösen Schlussfolgerungen und wegen seines Beharrens auf der Aussage, dass alle kausalen Mechanismen der Evolution materieller Natur seien. Smith weist darauf hin, dass dies eine philosophische und keine wissenschaftliche Schlussfolgerung sei. Eine Kritik, die immer größere Bedeutung gewinnt. “Wir alle sind Überlebensmechanismen–Roboter, die blind darauf programmiert sind, die egoistischen Moleküle zu bewahren, die wir als Gene bezeichnen.” Richard Dawkins Wussten Sie schon?Gibt es eine Richtung?Stephen Jay Gould (1941-2002), einer der brillantesten und leidenschaftlichsten Wissenschaftler des 20. Jahrhunderts, war bekannt für sein Beharren auf dem Standpunkt, dass die Entstehung von Leben ein Unfall war und Evolution keineswegs ein gerichteter Prozess sei. Dies war eine Ansicht, die gegen Ende seines Lebens von immer weniger Wissenschaftlern geteilt wurde. Selbst ausgesprochen bekannte Neo-Darwinisten wie Dennett oder Wilson räumen ein, dass es der Evolution eine Richtung zu größerer Komplexität zu geben scheint. Gould jedoch bestand darauf, "dass wir die Vorstellung von Fortschritt oder zunehmender Komplexität als ein zentrales Prinzip der Evolution aufgeben müssten, um vielmehr das Wahrscheinlichere anzunehmen, dass der Homo sapiens nichts als ein winziges, spät ausgetriebenes Ästchen am vielfältig verzweigten Baum des Lebens ist; eine kleine Knospe, die mit ziemlicher Sicherheit nicht ein zweites Mal austreiben würde, wenn wir den Baum noch mal vom Samen beginnend wachsen ließen.“ Richard Dawkins Daniel Dennett Edward O. Wilson Sociobiology (Wilson, 1975) The Selfish Gene (Dawkins, 1976) Biophilia (Wilson, 1984) Darwin’s Dangerous Idea (Dennett, 1995) The Structure of Evolutionary Theory (Gould, 2002) Evolutionsbiologie (Kutschera, 2006) Charles Darwin (1809–1882) Gregor Mendel (1822–1884) August Weismann (1834–1914) Thomas Hunt Morgan (1866–1945) Julian Huxley (1887–1975) R.A. Fisher (1890–1962) Theodosius Dobzhansky (1900–1975) Ernst Mayr (1904–2005)
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