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Wer Ist Ajja?Eine Begegnung mit dem Absoluten von Andrew Cohen |
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Einleitung Im Vivekananda Kendra Ashram in der Nähe von Bangalore, Indien, wird jedes zweite Jahr eine Konferenz mit dem Titel „Grenzgebiete der Yoga-Forschung und ihre Anwendung abgehalten. Das Thema ist immer die Beziehung zwischen Wissenschaft und Spiritualität, Bewusstseinsforschung und medizinischer Anwendung von Yoga. Bei meinem ersten Besuch wusste ich nicht, was mich erwarten würde, aber als ich zum zweiten Mal dort war, als eingeladener Redner, um über „Erleuchtung zu sprechen, war mir bereits klar, dass bei dieser Konferenz alles möglich ist. Bei diesem Ereignis, wo sich das Weltliche und das Spirituelle treffen und gleichzeitig auf so vielen Niveaus vermischen, findet sich eine überaus ungewöhnliche Schar von Menschentypen in einer Art Eintopf zusammen, wie ihn nur Mutter Indien zubereiten kann. Aber obwohl ich das wusste, ahnte ich noch nicht, als ich im letzten Dezember wieder nach Südindien kam, dass ich die seltene Gelegenheit haben würde, etwas Zeit mit diesem so kostbaren Juwel zu verbringen – mit einem voll erleuchteten Jnani, einem Menschen, der das ABSOLUTE SELBST verwirklicht. hat. Ajja, „Großvater, wie ihn alle, die ihn kennen, liebevoll nennen, ist ein lebendiges Beispiel für das sagenhafte spirituelle Vermächtnis Indiens, und seine persönliche Geschichte ist ebenso seltsam und mysteriös wie wunderbar. Ramachandra, geboren 1916, war ein wohlhabender Bauer und Grundbesitzer, von dem es hieß, dass er von Natur aus eine ungewöhnliche Reinheit des Herzens und eine sehr seltene Schlichtheit des Wesens besaß; trotzdem zeigte er kein besonderes Interesse an spirituellen Dingen. Eines Tages, er war damals sechsunddreißig, spürte Ramachandra ohne ersichtlichen Grund einen sehr heftigen Schmerz im Herzen, der allmählich von seinem gesamten Körper Besitz ergriff. Sechs Monate lang litt er, wie er sagt, unerträgliche physische Schmerzen, wobei seine Familie die ganze Zeit verzweifelt versuchte herauszufinden, was ihm solches Leiden verursachte. Ihre Bemühungen blieben erfolglos, denn niemand konnte die Ursache seiner Qualen feststellen. Und dann verschwand der Schmerz so plötzlich, wie er aufgetaucht war, und hinterließ keinerlei Spuren. Während er zuvor nicht das war, was man einen tiefen Denker nennen würde, löste diese Erfahrung in ihm jedoch eine intensive Nachdenklichkeit aus, die, wie man uns berichtet, monatelang andauerte. „Was war dieser Schmerz, der meinen Körper gequält hat? fragte er sich. „Was ist Gefangensein? Was ist Befreiung? Dank seines schlichten Wesens und der Reinheit seines Geistes gelangte er in kürzester Zeit an die Wurzel dieser Fragen. In seinen Nachforschungen stellte er fest, dass Schmerz Gefangensein ist und dass die tiefere Ursache von Gefangensein Karma ist. Der Verstand schafft das Karma, erkannte er, und der Verstand ist die Summe aller Gedanken, die sich mit dem kleinen Selbst beschäftigen. Am letzten Abend seiner nach innen gerichteten Erforschung fragte er sich: Was ist die Wurzel von weltlichem Besitz? Von Geld? Geld, so schloss er, ist das Wichtigste in der Welt, und alle Angst und Unsicherheit basiert auf der Verhaftung damit. In dem Moment hatte er eine sehr kraftvolle Vision, die großartig und erschreckend zugleich war. Vor seinen Augen erschien eine außergewöhnlich schöne Frau, deren Körper ganz rot war und aus deren Mund sich zu seinem Entsetzen ein Strom von Blut ergoss. Er erkannte sie als die Verkörperung des Todes. Er betrachtete sie eine Weile, wobei ihn eine tief greifende Einsicht überkam. Die Wurzel des Geldes, so erkannte er, war Besitz. Und Besitz, so erkannte er, bedeutete Tod. Dann verschwand die Frauengestalt und eine Tür erschien; an diesem Punkt begann ein letztes Nachforschen in ihm. „Wer bin ich? fragte er sich. Da öffnete sich die Tür und er verließ seinen Körper durch den Scheitelpunkt seines Kopfes. „Göttliche Wesenheiten begrüßten ihn und begleiteten ihn weiter auf seiner Reise zu dem, was er „die dritte Ebene nennt. Während dieses ganzen Vorgangs, der mitten in der Nacht stattfand, lag er auf dem Boden seines Zimmers und war allem Anschein nach physisch tot. Die ganze Zeit über saß Ishmael, ein muslimischer Bauer, der sein engster Schüler werden sollte, neben ihm; er wurde, so erzählte man uns, von etwas Unbekanntem angewiesen, sich um seinen Körper zu kümmern. Dann tauchte eine Lichtkugel auf, kauerte sich neben seine leblose Gestalt und trat dann in ihn ein. Sobald das Licht Ajjas Körper betreten hatte, öffnete er seine Augen, und die ersten Worte, die er sprach, waren: „Der, der vorher da war, ist jetzt weg ein anderer ist gekommen. Er sprach weiter: „ Ich bin nicht der Körper, ich habe keine Mutter, ich habe keinen Vater. Ich bin dieses Strahlen. Die nächsten drei Monate saß er ruhig in seinem Haus, während eine tiefe Stille in ihm immer intensiver wurde. Sein Geist stellte sich langsam auf seinen neuen Zustand ein, und er wurde so empfindlich, dass ihm schon das leiseste Geräusch absolut unerträglich war. Am Ende dieser Phase trat er gänzlich verändert aus seinem Haus. Völlig berauscht ging er nackt umher, manchmal sang und tanzte er stundenlang im Regen, und manchmal starrte er endlos in die Sonne. Er schlief auf Felsen und unter Bäumen. Seine Familie dachte, er sei verrückt geworden, und brachte ihn schließlich in einem Heim unter. Wenn ihn die Ärzte nach seinem Namen fragten, antwortete er: „Ich habe keinen Namen. Wenn sie ihn fragten, wo er lebte, antwortete er: „Überall. Nach zwei Monaten erklärten die Ärzte, dass er nicht verrückt sei, und entließen ihn.
Interview Ajja: Wir sollten uns einander zuerst vorstellen, um eine Basis für Verstehen und Harmonie zu schaffen. Dann können wir mit unserem Gespräch beginnen. Nur dann wird dieses Gespräch sinnvoll sein. Andernfalls bleiben die Worte nichts als Worte. Als wir uns neulich trafen, beschrieben Sie die Erfahrung ihres Erwachens, aber die anderen Leute hier waren damals nicht dabei; könnten Sie es bitte noch einmal beschreiben? Andrew Cohen: Ich war sechzehn. Ajja: Wer war sechzehn? AC: Das Individuum, der junge Mann, der davon überzeugt war, dass es ein Problem gab, dass etwas nicht in Ordnung war. Ajja: Sie können weitersprechen. AC: Plötzlich öffneten sich die Tore der Wahrnehmung. Es war so, als wären die Mauern des Raumes verschwunden und als wäre da plötzlich unendlicher Raum. Und dieser unendliche Raum war voller Energie. Und diese Energie besaß Bewusstsein, sie war sich ihrer selbst bewusst. Ajja: Und das, was Sie jetzt sind - ist das dieses Gewahrsein selbst? AC: Ja.. Ajja: Also meinen Sie nicht diesen Körper, wenn Sie sagen Ich. Das Gewahrsein, das sie damals erfuhren, ist das das Ich, das Sie auch jetzt spüren? AC: Ja, es ist dasselbe. Ajja: Es ist nicht dieser Körper? AC: Es gibt nur ein Ich. Ajja: Und was geschah danach? AC: Dann erkannte ich, dass diese Energie, die sich ihrer selbst bewusst war, Intelligenz besaß - da war Intelligenz - und dass ihr Wesen Liebe war. Unerträgliche Liebe. Beängstigend heftige Liebe. Und es wurde auch deutlich, dass alles das, was im manifesten Universum existiert, von derselben Substanz war, nämlich dieses Bewusstein. Und es wurde mir dabei klar, dass jeder Punkt im Raum genau derselbe Punkt war wie jeder andere. Wir sind zum Beispiel jetzt hier in diesem Zimmer. Wir sind gerade aus Prashanti gekommen. Davor war ich in Europa. Davor war ich in Amerika. All das scheinen verschiedene Orte zu sein, aber das, was ich in jenem Moment erkannte, war, dass jeder Ort, wo auch immer ich hätte sein können, derselbe Punkt ist, buchstäblich und tatsächlich. Und dann waren da auch Tränen, aber ich habe nicht geweint. Und meine Kehle schloss und öffnete sich. Ajja: Was ist Ihr augenblicklicher Zustand? AC: Das ist die Erfahrung, die ich jetzt habe. Es geschieht, wenn ich Vorträge halte, wenn ich über das Absolute spreche. Dann kommt diese Erfahrung, und wenn ich aufhöre, davon zu sprechen, dann gehe ich wieder in einen etwas normaleren Zustand. Aber der Unterschied ist jetzt, dass ich keinen Zweifel mehr habe - die Beschäftigung mit mir selbst und die Sorgen sind verschwunden -, und diese Liebe, der ich damals begegnet bin, ist mein ganzes Leben. Ajja: Zuerst war Ich ein eingeschränktes Ich. Später begann es sich auszudehnen, und dann erreichten Sie einen Zustand, wo es weder Raum noch Zeit gibt, sogar jenseits von Emotionen. Darin werden Du und Ich eins das höchste Göttliche. Wir gebrauchen nur das Wort Ich. Alles, was in diesem Körper ist, dafür sagen wir Ich als eine einfache Beschreibung. Wir sagen, das bin Ich, aber ich bin nichts. Ich bin nicht der Körper. Ich bin nicht einmal eine Energie. Das, was wirklich existiert, ist das Es, das seinem Wesen nach Licht ist, sein Wesen ist Satya (die letztendliche Wirklichkeit). Es ist Wahrheit, es ist Glückseligkeit, es ist Frieden, und das ist das wirkliche Sein. AC: Ich verstehe Sie also so, dass es dann, wenn der Verstand ruhig ist, kein Problem gibt, und dass es daher auch nicht notwendig ist, nach einer Lösung zu suchen. Ich hätte aber doch einige Fragen, die ich Ihnen gerne stellen würde, um der vielen Menschen willen, die das hier lesen werden. Ajja: Egal, welche Fragen Sie stellen, die Antwort, die hier herauskommt, ist: Bringe den Verstand zur Ruhe. Zuerst muss der Verstand auf sich selbst konzentriert werden. Wenn Sie dann noch immer eine perfekte Antwort brauchen, dann ist mein Leben selbst die Antwort. Wenn Sie sehen, wie ich handle, können Sie es verstehen, können Sie Es verwirklichen. Das ist meine Botschaft. Das ist meine Antwort. AC: Darf ich Ihnen trotzdem eine Frage stellen? Es ist eine gute Frage. Ajja: Wenn ich eine Antwort gebe, dann sollte das auch zu etwas nütze sein. Worauf es ankommt, ist das Handeln. Wenn die Botschaft überbracht worden ist, werden die Menschen sie dann auch in die Tat umsetzen? AC: Eben darauf bezieht sich meine Frage: Was ist die Beziehung zwischen Nicht-Existenz und Handeln in Raum und Zeit? Ajja: Man verliert seine Existenz durch Erkenntnis und Handeln. Durch diese beiden wird man frei. Dann ist man selbst ein Jivan Mukta (ein Befreiter). Aber wenn dieses Ich weg ist, was bleibt dann? Wo ist dann die Frage? AC: Aber drückt nicht der Jnani (das selbstverwirklichte Individuum), der Jivan Mukta, auch wenn er frei ist, noch immer etwas durch sein Handeln aus? Ajja: Ich habe nicht das Bewusstsein, Ich bin ein Jnanioder Ich bin ein Jivan Mukta Ich habe gar nichts. Wenn das Ich verschwunden ist, dann entsteht im Bewusstsein nicht einmal das Gefühl von Ich. Es ist total weg. Für einen Jnani stellt sich also diese Frage nicht einmal. Wenn von Denken gar nicht die Rede ist, dann findet kein normales Alltagshandeln statt. Unsere Gedanken haben sich in Kontemplation verwandelt. Dann werden unsere routinemäßigen Interaktionen im Alltag spirituell. So wird dann die normale Routine selbst zum spirituellen Leben. Das ist dann an und für sich das yogische Leben. Das ist an und für sich göttliches Leben. AC: Es gibt da ein Mysterium, das mich nicht loslässt. Aus nichts wurde etwas; es ist buchstäblich der Beginn von allem. So ist es auch beim Jivan Mukta: er ist nichts, er ist in nichts. Und doch entsteht aus nichts etwas: Worte, Handlungen usw. Darüber würde ich gerne mehr wissen. Ajja: Ich habe bereits beschrieben, wie die Alltagshandlungen selbst in spirituelle Handlungen verwandelt werden können. Wenn ein Mensch, der mit Alltagshandlungen und -pflichten befasst ist, diese Absicht hat, dann verändert er sich. In dem Maße, in dem er auf dem Pfad der Entwicklung voranschreitet, durch Kontemplation über den Gedanken Wer bin ich? - wer ist diese individuelle Seele? - findet er vollständige Befreiung aus dem Kreislauf von Geburt und Tod, auch wenn er noch in diesem Körper ist. Er wird das Selbst an sich, und das Selbst ist absolute Freiheit. Das ist wahre Freiheit. Diese Verwirklichung ist der Sinn der menschlichen Geburt. Nur aus diesem einzigen Grund wird eine menschliche Geburt genommen. Wenn dieser Zweck erfüllt ist, dann ist unser Leben erfüllt. Es ist ein Zustand, der keine weitere Geburt mehr nach sich zieht. Es ist ein Leben frei von Dualität und jenseits des Todes. Das kann überall auf der Welt geschehen. Das gilt für die gesamte Menschheit. Wenn die gesamte Menschheit das versteht und in die Tat umsetzt, wo ist dann die Frage? AC: Es wird keinen Unterschied zwischen Leben und Tod geben. Ajja: Ja. Nur wo es Geburt gibt, kann es Tod geben. Wo ist da die Geburt? Wir denken: Ich bin dieser Körper. Alle Sinnesobjekte, die mit dem Körper in Beziehung stehen, gehören mir. Mit einem so eingeschränkten Empfinden wird ein Mensch, der in Handlung verstrickt ist und die Freuden und Leiden erlebt, die aus diesem Handeln entstehen, immer wieder in dieser Welt geboren werden. Seine Leben gehen also gemäß seinen Handlungen weiter. Das ist das Geheimnis von Geburt, Leben und Tod. Wenn das individuelle Selbst aber von den Banden der Handlungen und auch von der Bindung durch seinen Körper befreit ist, dann wird es eins mit dem höchsten Selbst. Wenn das Individuum durch Kontemplation über die Frage Wer bin ich? frei von Karma wird, dann entwickelt es sich, es wird selbst das aus sich heraus strahlende Höchste. Das an sich ist das Selbst. Das an sich ist Glückseligkeit. Das an sich ist Satya, die letztendliche Realität. Das an sich ist Leben. Das an sich ist Selbstverwirklichung. AC: Wenn Sie über Karma Yoga sprechen, über das ungebundene Handeln, meinen Sie dann spezifisch die spirituelle Praxis? Oder jede Form von ungebundenem Handeln? Ajja: Jede Handlung, die als Pflicht ausgeführt wird, ohne Erwartung eines Ergebnisses. Jede Handlung verwandelt sich in Pflicht, wenn sie ohne Erwartungen und Selbstsucht ausgeführt wird. Das führt zu einem Zustand, in dem es keine Emotionen mehr gibt. Man handelt, aber man tut nicht. Es herrscht nicht das Gefühl: Ich tue etwas. Was ist mit diesem Ich geschehen? AC: Ja. Der Verstand ist die Welt. Ajja: Der Verstand muss also zuerst ruhig werden. Der Verstand wandert herum, und das muss aufhören. Durch Meditation richtet sich der Geist nach innen. Und das sollte nicht nur in der Meditation so sein, sondern auch inmitten von Aktivität. AC: Wenn Sie sagen, dass es hier gar nichts gibt, meinen Sie dann damit, dass Sie eben in diesem Moment keine Erfahrung haben? Sie scheinen eine ganze Menge zum Ausdruck zu bringen. Ajja: Wessen Erfahrung? Es kommen Worte, das stimmt. Durch dieses Vehikel handelt irgendeine unbekannte Kraft, irgendeine Energie arbeitet, die diesen Körper als Werkzeug verwendet. Nicht dieser Körper hier spricht. Eine Energie inspiriert diesen Körper, Verstand und Intellekt. Dasselbe geschieht in jedem von uns, aber oft sagen wir: Ich spreche. Hier geschieht das nicht. Die Worte kommen einfach. Das ist der Unterschied. Ich sage nicht: Ich sage, ich spreche. AC: Meiner eigenen Erfahrung zufolge scheint die Beziehung zwischen diesem Zustand der Glückseligkeit, in dem es kein Ich gibt, und der vollkommenen Handlung in der Welt von Raum und Zeit eine sehr geheimnisvolle zu sein. Ich würde immer noch gerne mehr darüber wissen, wie Sie diese Beziehung für das Wesen definieren, das tatsächlich in diesem Bewusstsein von Glückseligkeit ruht, in dem es keinen Begriff von Ich gibt. Wie drücken die Handlungen dieses Individuums in der Welt die Vollkommenheit seines Zustands aus? Was ist die Beziehung zwischen diesem Zustand und dem Ausdruck perfekten Handelns in dieser Welt der Illusion? Ajja: Ich befinde mich auf einer völlig anderen Ebene der Interaktion. Zwischen diesen beiden besteht in meinen Handlungen keine Beziehung. Wie verstehen Sie vollkommenes Handeln in der Welt? AC: Vollkommenes Handeln ist ein Handeln, das aus reiner Liebe entsteht, in der es kein Empfinden von Individualität gibt und keinerlei Eigennutzen. Es gibt keinen Stolz, es gibt keine Gier, es gibt keinen Egoismus, es gibt keine Selbstbezogenheit. Und es ist auch der Ausdruck reiner Liebe, der keine Wahrnehmung von sich selbst als getrenntes Wesen hat. Aber diese Handlung findet statt. Alle verwirklichten Seelen bringen das zum Ausdruck. Ajja: Das ist schwer zu erklären oder in Worte zu fassen, aber wenn man eine Weile mit einem Menschen zusammenlebt, der sich in einem so glückseligen Bewusstsein befindet, dann besteht die Möglichkeit, es zu verstehen. Ein solcher Mensch wird gar nichts sagen. Er wird nur durch Schweigen kommunizieren. Aber durch den Kontakt mit ihm kann ein Verstehen stattfinden. Das kann man nur durch die Erfahrung kennen lernen. Was ist Liebe? Sprechen wir über eine Liebe, die in Beziehung zu den Sinnen steht? Oder liegt sie jenseits der Sinne? Es gibt Menschen, die die Verkörperung von Liebe sind, aber das Wesen ihrer Liebe geht über die Sinne hinaus. Man kann es nicht mit den Augen sehen. Man kann es nicht mit Worten beschreiben. Sie sind die verkörperte Liebe. Diese Liebe kann nicht nach außen gezeigt werden. Sie ist ihr ursprüngliches Wesen. Sie ist nicht etwas, das sie nur zum Ausdruck bringen. Sie ist stets und ständig ihr Wesen. AC: Sie sind diese Liebe. Ajja: Sie existieren in dieser Welt, aber sie sind nicht diese Welt. Sie sind es, und sie sind es nicht. Das ist Erleuchtung. Das an sich ist Atman (das Selbst). Das an sich ist Glückseligkeit. Das an sich ist Wahrheit. Das an sich ist Leben. Welches Leben ist das? Es ist nicht das weltliche Leben. Es ist Leben jenseits von Dualität und Tod. AC: So, wie sie sind, ist dann also die Antwort auf die Frage. Wie sie sind , ist die Antwort auf die Frage, was die Beziehung zwischen Nichts und Etwas ist. Ajja: Diese Dinge gehen über eine Beschreibung hinaus. Wir können das nicht erklären. Das kann man nur sehen und verstehen. Sie sprechen nicht, weil sie etwas zu sagen hätten. Glückseligkeit kann nicht beschrieben werden. Wenn man von Glückseligkeit erfüllt ist, dann ist das eine Erfahrung, aber da ist niemand, um darüber zu sprechen. Die Worte kommen, aber zwischen den Worten, die kommen, und der letztendlichen Wirklichkeit besteht keine Beziehung. Der wirkliche Zustand und die Worte, die ihn beschreiben, haben nichts miteinander zu tun. Dieses existiert nur als Es selbst. Die Worte zeigen Es, sie manifestieren Es, aber sie sind Es nicht. Die Existenz dieses Höchsten wird durch das Wort Ich angezeigt, nur um der Möglichkeit des zwischenmenschlichen Kontakts in der Welt willen - der Welt zuliebe, aber nicht diesem Es zuliebe. Ich habe nur die Erfahrung der universellen Seele, die Energie, Licht und Kraft ist - das aus sich selbst strahlende höchste Universelle. Es kam um der Evolution willen, und es hat sich weiterentwickelt. Das Universelle Licht kommt um der Entwicklung willen, und es entwickelt sich. AC: Das Licht entwickelt sich? Ajja: Es kamen Licht und Kraft, aber jetzt blieb nur das Licht in seiner entwickelten Form zurück. Es gibt keine Kraft. Die Seele weilt in diesem physischen Körper, und sie ist nichts anderes als aus sich selbst strahlendes Licht und Kraft. Und in der Evolution löst sich die Kraft auf und lässt nur das Licht zurück. AC: Können Sie das noch einmal sagen? Ajja: Das dem Körper Innewohnende ist die universelle Kraft und universelles Licht. Und im Prozess der Evolution löst sich die Kraft auf und das Licht bleibt da. Aber die Wahrheit, die darin liegt, kann nicht wirklich mitgeteilt werden. Nur durch den Kontakt, dadurch, dass man sich in der Nähe einer verwirklichten Seele aufhält, kann man verstehen. Das ist eine dieser Fragen, deren Antwort man nur finden kann, wenn man in der Stille danach sucht. Sonst wird es zu einem bloßen Lehrvortrag, von dem keiner von uns etwas hat. AC: Ich verstehe, dass die wichtigste Antwort nicht in Worten gegeben werden kann, dass sie nur vom Individuum selbst in der Stille gefunden werden kann. Und doch ist es meine Erfahrung, dass manchmal dadurch, dass man diese Art von Fragen stellt, magische und außergewöhnliche Dinge geschehen können. Ajja: Auch wenn die Wahrheit herauskommt oder wenn sich, wie Sie sagen, magische und wunderbare Dinge ereignen - wenn die Worte kommen, sind sie doch nichts weiter als Worte. AC: Aber die Worte, die von einem Jnani kommen, haben die Kraft zu erleuchten. Ajja: Soviel zum Jnani. Aber wo sind die Jnanis? Wer ist ein Jnani? Und wer erkennt den Jnani? AC: Der Jnani und der, der den Jnani erkennt, sind ein und dasselbe. Ajja: Ist das Ihre Erfahrung? AC: Ja. Ajja: Ich stelle diese Erfahrung nicht in Abrede. Aber ein Jnani wird nie die Erfahrung haben: Ich bin ein Jnani. Er ist einfach das, was er ist. Es ist sein Urzustand. Wenn ein unnatürlicher Zustand kommt, wird er darüber erstaunt sein. Das ist der ursprüngliche natürliche Zustand für einen Jnani. Es gibt nur Glückseligkeit. Niemand ist da, um diese Glückseligkeit zu erleben. Der Mensch, der sieht, ist nicht mehr da. Das ist Evolution. Was also in diesem Fall ist, ist ein Zustand, der kein Zustand ist. Das ist der ursprüngliche Zustand eines jeden Individuums. Aber man muss bereit sein, zu diesem ursprünglichen Zustand zu gehen. AC: Einer Ihrer Schüler sagte mir, dass Sie die früheren Leben von Menschen sehen können, wenn Sie sie näher kennen lernen. Stimmt das? Ajja: Ich bin kein Astrologe. Ich lese in niemandes Geist. Das wäre ein Widerspruch zu Spiritualität. Die Befreiung sollte in diesem Leben stattfinden. Manchmal sagt man uns, dass es aus irgendwelchen Gründen in diesem Leben nicht möglich ist, dass wir auf zukünftige Inkarnationen warten müssen. Aber wir wissen nicht, ob das wahr ist oder nicht, deshalb sollten wir hier und jetzt Befreiung finden. AC: Ich bin ganz Ihrer Meinung, und meine Frage beruht nur auf dem, was ich von anderen Menschen hier gehört habe. Ich persönlich bin der Ansicht, dass es sich dabei um eine reine Zeitverschwendung handelt und auch, dass der Mensch in die andere Richtung schauen sollte, wenn er frei sein möchte. Wenn man frei sein möchte, möchte man das Selbst erkennen, das man ist, wenn es keine Zeit und keine Geschichte gibt. Etwas über frühere Leben zu erfahren, könnte einem niemals Auskunft über das geben, was nie passiert ist. Ajja: Ja. Lassen Sie uns doch dieses Leben verstehen. Wenn man das kennt, weiß man alles, was man wissen muss. Wir sind jetzt hier. Darum geht es jetzt. Warum sollten wir zurückgehen? Es gibt weder Gegenwart noch Zukunft. Wir sind hierher gekommen. Wir sind hier. Was ist das? Wer sind wir? Wer bin ich? Wer ist der, der gekommen ist? Das, was gekommen ist, ist aus sich selbst strahlende Kraft mit Licht. Das ist in sich schon das Fundament. Es gibt Ingenieure, die das Gebäude errichten, aber wir müssen uns nur das Fundament anschauen, uns kümmert nur das Fundament. Wer bin ich? - dieses Fragen ist das Fundament. Wenn man sich auf die Suche nach Dem macht, ist es möglich, die Antwort auf jede Frage dieser Welt zu finden. Wenn man sich auf die Suche nach Wer bin ich? macht, wird man einen Zustand erreichen, in dem nichts ist. Ich bedeutet den Zustand, wo es nichts gibt. Es ist vorbei. Dazu bedarf es keiner Sadhanas - nur der Suche. AC: Der direkten Suche. Ajja: Ja, der direkten Erforschung. Wenn sich der Suchende auf die Suche nach Dem macht, dann gibt es den Suchenden nicht mehr. Dieser Zustand ist Atman, und das ist Glückseligkeit, die aus sich selbst heraus strahlt, Stille. Bis dahin besteht Ego. Dann ist es nicht mehr da. Manchmal geschieht es im Leben, dass auf Grund irgendeines Ereignisses eine vollständige Transformation stattfindet. Im Leben von vielen Menschen kommt es bedingt durch einen einzigen Vorfall zu einer totalen Transformation. Das finden wir in den Biografien aller großen südindischen Heiligen - Valmiki, Tulsi Das, Ramana Maharshi, J. Krishnamurti. Es war ihr Karma, dass sie sich auf Grund kleiner Ereignisse verändert haben. Ein roter Faden zieht sich durch all diese Geschichten. In meinem Fall zum Beispiel waren das sechs Monate lang andauernde Schmerzen, und dann keine Schmerzen mehr. Damit begann die Kontemplation; Sorge wurde zu Kontemplation. Das Unwahre wurde zur Wahrheit. Die Dunkelheit wurde zu Licht. Wie bei der Frucht: unreif ist sie bitter. Sobald sie reif wird, ist sie süß. Aber diese Süße war immer da. Das Bittere hat sich in Süße verwandelt. Ebenso sollte Sorge zu Kontemplation werden. Nur aus diesem Grund sollten wir den Gedanken eine Bedeutung beimessen. Wir sollten uns nicht aufregen oder verloren fühlen, wenn wir Sorgen oder Probleme haben. Wir sollten sie erleben. Dann kommt es zu einer Explosion. AC: Meinen Sie, wir müssen uns ihnen voll und ganz stellen? Ajja: Ja. Es erleben. Und wie sollte der Verstand sein, wenn man das erlebt? Während dieser Zeit sollte der Verstand konzentriert sein, der Verstand sollte darüber kontemplieren. Und wenn der Verstand darauf fixiert ist, dann - AC: Sie meinen, man sollte der Erfahrung keinen Widerstand entgegensetzen? Ajja: Keinen Widerstand. Auf diese Weise geht derselbe Verstand, der alles andere erlebt, in Kontemplation. Jenseits davon gibt es gar keinen Verstand. Der Verstand selbst ist also sowohl die Ursache des Gefangenseins als auch das Mittel zur Befreiung. Diese Welt ist nichts anderes als das Getöse des Verstandes. Wenn die Arbeit des Verstandes getan ist, gibt es keinen Verstand mehr. Dann sind alle Wünsche verschwunden - Wünsche, die eine Vorstellung des Verstandes sind. Alles ist nur eine Vorstellung; alles das ist Verstand. Der Verstand muss sich also zurückziehen. Alle Wünsche müssen verschwinden. Wenn auch nur ein einziger Wunsch vorhanden ist, kann man den Verstand nicht nach innen richten. Der Verstand muss sich ins Herz zurückziehen und mit der Suche beginnen. Wer bin ich? Wer bin ich? Ich bin hier in diesem Körper. Wer bin ich? So müssen wir suchen. Wenn man auf der Suche ist, ist der Verstand auch schon weg. Wir haben Angst davor, diesen Ort zu berühren. Aber der Verstand muss vollständig weg sein. Geben Sie ihn auf. AC: Sie sagten vorher, dass das universell anwendbar ist und die Menschheit in ihrer Gesamtheit betrifft. Ajja: Ja, das ist eine Frage, die die gesamte Menschheit betrifft. Wir brauchen Freiheit. Niemand möchte gefangen sein. Jeder möchte frei sein. Meine Botschaft für das ganze Universum ist nicht, dass nur ein einziger Befreiung finden soll. Auch die anderen sollten befreit werden. Die ganze Welt sollte frei werden. Das ist meine Botschaft. Was ist der Weg zur Freiheit? Wenn Sie ein klares Bild von den Erfahrungen haben, die ich im Laufe meines Lebens gemacht habe - Freuden und Sorgen, Triumphe und Niederlagen, Ehre und Schmach, und wie ich darauf reagiert habe - dann kann Ihnen das vielleicht helfen, Ihren eigenen Weg zu finden. Wie ich diesen Erfahrungen begegnet bin, wie ich mich in meinem Leben bewegt habe, wie ich den Tod akzeptiert habe. Wie Handlung ausgeführt wurde und wie Transformation stattgefunden hat. Mein ganzes Leben gibt, wenn es verstanden wird, ein klares Bild von diesem Weg. Wenn wir alle diese Dinge verstanden haben, dann müssen wir dieses Verstehen in unser praktisches Leben umsetzen. Dann werden wir frei. Wenn ein einziger Mensch auf diese Art und Weise Befreiung findet, dann ist die Mission meines Lebens erfüllt. Deshalb sage ich das alles - damit es den Zuhörern helfen möge. Deshalb habe ich mich zu diesem Interview bereit erklärt. Ansonsten würde ich in vollständigem Schweigen verharren. Das Gesamtbild ist die integrierte Evolution des Individuums und dieser Kraft. Erst wenn wir in unserem Handeln vollständig frei werden, ist unsere Geburt fruchtbringend. Dann ist unser Leben wirklich erfüllt. Freiheit ist das Ziel. Jeder muss frei werden. Und alle sind nur aus diesem einzigen Grund ins Leben gekommen - diese Freiheit an sich ist Glückseligkeit für alle, für jeden Einzelnen. Jeder Mensch sollte aus der Gefangenschaft erlöst werden. Wenn nur ich alleine frei werde, dann genügt das nicht, um mich glücklich zu machen. Jede Seele muss frei werden. Ich hatte einen kurzen Einblick in diese Möglichkeit, und wenn wir alle frei wären, dann wäre das die wahre Glückseligkeit für mich. AC: Dann geschieht dies also zum Wohle der Menschheit. Ajja: Ja. Diese Botschaft richtet sich an die Menschheit als Ganzes. Wenn Reinheit im Inneren ist, dann müssen Handlung, Verstand und Herz eins sein. Verstand und Herz müssen rein sein und unser Handeln ebenfalls. Wir alle müssen über das Denken hinausgehen, bis zu dem Zustand, wo es keinerlei Hindernisse mehr gibt. Nur allein durch dieses wirkliche Suchen wird der Mensch eine universelle Seele. Und diese Fähigkeit hat jeder. Nicht nur einer. Jeder Mensch hat in sich die Fähigkeit, Das zu werden. Ich bin überhaupt nicht im Verstand. Ich bin in einem Zustand jenseits aller Gedanken und Emotionen. Ich spreche, aber ich weiß gar nichts. Ich denke nicht; ich lese keine Bücher. Für die wahre Erkenntnis ist nichts davon notwendig. Für die intellektuelle Debatte sind Bücher notwendig, aber für die Erfahrung des Selbst braucht man nichts. Auch wenn ich in irgendeinem abgelegenen Winkel bin, hört es nicht auf. Es breitet sich im gesamten Universum aus, sickert in das gesamte Universum ein. Wenn ein Mensch diesen Zustand von Ananda, erreicht, wird es sich einfach verbreiten, auch wenn er sich in einem abgelegenen Winkel befindet. Auch wenn er sich zu verstecken versucht, strahlt es einfach von ihm aus. Es reicht überall hin in das ganze Universum, in den gesamten Kosmos. Nun? Was werden Sie mit Ihren Aufzeichnungen machen? AC: Sie werden Teil eines Artikels über Sie sein - über Ihre Erfahrung und über das, was Sie sagen - das wird Menschen in Amerika und an anderen Orten helfen, von dem zu profitieren, was Sie entdeckt haben. Ajja: Ich habe das Gefühl, als ob wir uns gut kennen. Ich empfinde Sie nicht als Fremden. AC: Ja, mir geht es genauso. Ajja: Es gibt kein Amerika und kein Indien. Es gibt nur das ganze Universum. |