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Einleitung
Es war an einem Nachmittag im Frühherbst Für die vielen Studenten und Fakultätsmitglieder der fortschrittlichen akademischen Einrichtung, bei deren Leitung er mithilft, ist Dr. Frager ein engagierter Lehrer, ein in Harvard ausgebildeter Psychologe und, neben anderen Werken, Autor eines Lehrbuchs der Psychologie: Personality and Personal Growth (Persönlichkeit und persönliches Wachstum). Für die etwa zwanzig Mitglieder eines Zweiges des Halveti-Jerrahi-Sufi-Ordens von Redwood City in Kalifornien hingegen ist er Scheich Ragip oder „Baba”, der Mann, dessen Hand sie küssen, dessen Worte für sie Autorität besitzen und denen sie gehorchen und dessen Leben sie nachzueifern versuchen Bereits vor dieser Ausgabe waren wir auf Dr. Fragers Pionierarbeit im Bereich der Transpersonalen Psychologie und auf seine Rolle beim Aufbau einer der ersten Institutionen des Landes, die sich diesem neu entstehenden Forschungsgebiet und dieser Praxis widmen, aufmerksam geworden. Aber erst als wir im Laufe unserer Untersuchungen der Lehre des Sufismus über das Ego ein Rezensionsexemplar seines neuen Buches Heart, Self and Soul: The Sufi Psychology of Growth, Balance and Harmony (Herz, Selbst und Seele: die Sufi-Psychologie von Wachstum, Gleichgewicht und Harmonie) in unserem Briefkasten fanden, wuchs unser Verständnis für seine Rolle als spiritueller Lehrer in diesem zutiefst hingebungsvollen türkischen Zweig des Sufismus. Wir waren sofort äußerst interessiert. Wie ist es möglich, fragten wir uns, dass ein einziger Mann so fest in zwei Welten stehen kann, die Für die von Gott erfüllten Scheichs und Derwische (Praktizierende) des Sufismus ist das Ego stets der Staatsfeind Nummer eins gewesen. In der Tat nimmt der Sufismus, der tausend Jahre alte mystische Zweig des Islam, unter allen Weisheitstraditionen der Welt (eventuell mit Ausnahme des orthodoxen Christentums) den radikalsten Standpunkt ein, wenn es um das Wesen dieses zeitlosen Feindes und den Umgang mit ihm im spirituellen Leben geht. Im Arabischen Nafs Ammara genannt, wird von vielen Sufi-Meistern „das Selbst, das uns bestimmt und zum Bösen veranlasst,” dieser „rebellische”, „tyrannische” Aspekt in uns, als „grausamer als der Satan” angesehen, besitzt er doch die Fähigkeit, den spirituell Suchenden vom Pfad abzubringen. In seinem Bemühen, uns zu beweisen, dass wir von anderen getrennt und ihnen überlegen sind, und diese Überzeugung aufrecht zu erhalten, wird das hinterlistige, betrügerische und immer wieder einfallsreiche Ego Bei seiner Rückkehr aus der historischen Schlacht gegen die Bewohner von Mekka soll sich der Prophet Mohammed mit folgenden Worten an seine Getreuen gewandt haben: „Wir kehren jetzt aus dem kleinen heiligen Krieg zum großen heiligen Krieg zurück Obwohl die großen Meister im Sufismus Natürlich kann diese riesige ideologische Kluft zum Teil den unterschiedlichen Begriffsdefinitionen der beiden Parteien zugeschrieben werden. Stolz, Narzissmus und Anhaften an einem Selbstbild lassen sich nicht automatisch in Charakter, „Funktionszentrum” und gesundes Selbstverständnis übersetzen. Und doch ist es, wenn wir die Definitionen einmal beiseite lassen, nicht zu bestreiten, dass in den Hauptschulen der westlichen Psychologie die Vorstellung nicht gerade auf offene Ohren stößt, dass es einen „Feind” im Innern gibt, der versucht, unsere spirituelle Entwicklung aktiv zu unterminieren, oder dass es gerade unser Anhaften an einer Identität ist, das letztlich aufgegeben werden muss, wenn wir zu unserem vollen Potenzial gelangen wollen. Ja, sogar im neu entdeckten Feld der „Transpersonalen Psychologie,” wo mystische Weisheit und Entwicklungstheorie vor kurzem Bettgenossen geworden sind, wird man mit viel größerer Wahrscheinlichkeit auf Diskussionen über Mittel und Wege zur „Heilung des verletzten Ego” stoßen und wie wir „uns selbst annehmen können, so wie wir sind,” als über die Notwendigkeit absoluter Entsagung angesichts des heimtückischen und unerbittlichen Sperrfeuers von Versuchungen durch das Ego. In der Tat scheint überall dort, wo dem psychologischen Paradigma Raum gegeben wird, das implizite oder explizite Ziel eher Heilung als Transzendenz zu sein, das Selbst instand zu setzen, als es überhaupt ganz zu verlieren. Angesichts der scheinbar unvereinbaren Ziele dieser zwei Herangehensweisen an die menschliche Entwicklung fragten wir uns, wie Scheich Ragip/Dr. Robert Frager Von dieser ungewöhnlichen Aussicht fasziniert, reisten wir im letzten Oktober nach Kalifornien und sprachen mit Scheich Ragip während einer Samstagabend-Versammlung in seinem im persischen Stil dekorierten Sufi-Zentrum außerhalb von Palo Alto. Und am darauf folgenden Montag trafen wir uns mit Dr. Robert Frager am Konferenztisch des Instituts für Transpersonale Psychologie. Dies führte zu einer faszinierenden Untersuchung über das Leben und die Ansichten eines der führenden Erneuerer der Bewegung zur Entwicklung des menschlichen Potenzials, wobei sowohl die Tiefe als auch die Weisheit zweier einflussreicher Traditionen beleuchtet wurden sowie das subtile und oft verwirrende Terrain, das sich zeigt, wenn man versucht, Gemeinsamkeiten zwischen beiden zu finden.
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