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Wer ist Satan?


Ein Interview mit Taylor Hackford, Der Regisseur von "Im Auftrag des Teufels"
von Carter Phipps
 

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Einleitung



Taylor Hackford
Ich wuchs in einer Kleinstadt am Rand des Bibelgürtels in den USA auf und hatte als Junge manchmal den Eindruck, dass es in der Welt im Wesentlichen zwei Arten von Menschen gab: die Gläubigen und die Ungläubigen. Mit den Gläubigen meine ich nicht Menschen, die an Gott glaubenan Gott glaubt jeder. Ich spreche vom Teufel. Für einige waren die Begriffe Satan, Hölle und ewige Verdammnis genauso real und greifbar wie der Boden unter ihren Füßen. Für andere, und zu diesen zählte auch ich, schien das geheimnisvolle Konzept von einer übernatürlichen Figur, die von jenseits des Grabes aus den Menschen Versuchungen und Bestrafungen zuteilt, überhaupt nicht im Einklang mit dem modernen Leben zu stehen und stellte im Zeitalter der Halbleiter und der Raumfahrt einen offensichtlichen Anachronismus dar. Weder der Gedanke an Satan und nicht einmal die Idee der Sünde lösten in mir Angst oder Beklommenheit aus. Beides wurde auf dem Bildschirm meines moralischen Radars kaum registriert. In meiner liberalen christlichen Erziehung war die Hölle eher ein innerer Zustand als ein greifbarer Ort, und ich wurde dazu erzogen, nur wenig Interesse an Ideen zu entwickeln, die größtenteils bloßer Aberglaube zu sein schienenvon einer kurzen Begegnung mit der erlesenen Schönheit der Dichtung in John Miltons Das verlorene Paradis und Christopher Marlowes Die tragische Historie vom Doktor Faustus in meinen Jahren am College vielleicht einmal abgesehen. Mit der klassischen Verkörperung des Bösen, welche die Frommen und Gläubigen jahrhundertelang so sehr in ihren Bann schlug, hatte ich so gut wie keine Erfahrung. Als ich mir daher vor zwei Jahren den Film Im Auftrag des Teufels (Orig. The Devil’s Advocate) ansah, hatte ich kaum erwartet, dass sich dadurch meine Auffassungen von der Kraft und der Unverwüstlichkeit dieses altehrwürdigen Symbols verändern würden.

Der Film erzählt die Geschichte eines jungen Strafverteidigers, gespielt von Keanu Reeves, der an einem kleinen Bezirksgericht in Florida seinen Mandanten im Gerichtssaal in einer ununterbrochenen Erfolgsserie jedes Mal zum Sieg verhilft. Er nimmt das Angebot an, für eine sehr große und überaus finanzstarke internationale Anwaltskanzlei in New York zu arbeiten, die von einem Mann mit dem verdächtigen Namen John Milton geleitet wird. John Milton wird von Al Pacino gespielt und ist ein charismatischer, charmanter und selbstsicherer Mann, der auf dem internationalen Parkett seine Fäden zieht und ein ungewöhnlich starkes Interesse am Schicksal dieses jungen Anwalts mit der steilen Karriere zeigt. Im weiteren Verlauf der Geschichte steckt der Teufel buchstäblich in den Details, und Keanu Reeves wird zum ahnungslosen Schützling dieses einflussreichen und hoch angesehenen Mannes, der, wie wir bald erfahren, kein anderer ist als Satan selbsteine moderne Verkörperung von Gottes berühmtestem gefallenen Engel. In vielerlei Hinsicht erzählt der Film eine klassische Geschichte über Versuchung und Verführung, er ist eine auf den neuesten Stand gebrachte Version des Faust, die mit der ganzen Kraft, dem Flair, dem Geschick und den Spezialeffekten erzählt wird, die ein Kennzeichen der besten Talente Hollywoods sind.

Zu jener Zeit befand ich mich bereits seit vielen Jahren auf dem spirituellen Weg und war beeindruckt von der Kraft, mit der der Film Satan darstellte, dessen Name sich aus einem alten hebräischen Wort ableitet, das „Widersacher” bedeutet. Hier gab es plötzlich tatsächlich einen Teufel, den ich als einen wirklichen spirituellen Gegner bezeichnen konnte, ein Teufel, dessen diabolische und dennoch beunruhigend menschliche Eskapaden den abgedroschenen Ideen von Sünde, Vergehen, Stolz, Versuchung und dem Bösen neues Leben einhauchten. Diese moderne übernatürliche Parabel begann mir die Augen dafür zu öffnen, was das Konzept des Teufels für den spirituellen Sucher tatsächlich bedeuten könnte, und hatte damit auf mich zweifellos die gleiche Wirkung wie Faust, Paradise Lost, The Devil and Daniel Webster und wohl noch zahllose andere künstlerische Werke zu diesem Thema auf vergangene Generationen. Was die in meiner Heimatstadt übliche Spiritualität anbelangt, die von Feuer und Schwefel, Hölle und Buße sprach, war ich zwar genauso skeptisch wie zuvor, trotzdem konnte ich die Idee des Teufels und die plastische Darstellung der Herausforderungen, mit denen wir alle auf dem spirituellen Weg konfrontiert werden, auf einmal auf ganz neue Weise würdigen.

Dabei half mir die Tatsache, dass die Hauptfigur in der Geschichte den klassischen Versuchungen der Eitelkeit, der Lust, des Ehrgeizes und der Gier in einer Weise erliegt, die sich beunruhigend leicht mit der eigenen Erfahrung verbinden lässt. Die Konsequenzen der Handlungen der einzelnen Personen werden in dem Film sehr deutlich. Sich mit seiner Seele den Todsünden der Eitelkeit, der Gier und des Ehrgeizes zu überlassen, bedeutet, Satan selbst seine Seele zu verkaufenein Gedanke, der in dieser modernen Form der Darstellung, wie ich zugeben muss, bei mir einige Momente des Nachdenkens über mich selbst bewirkte. Und das lag nicht daran, dass ich auf einmal Angst davor bekam, meine Zeit nach dem Tod in einer Feuerhölle zu verbringen, sondern einfach an der kraftvollen Verknüpfung, die im Film zwischen kleinen Verstößen gegen das eigene Gewissen und den schmerzhaften Konsequenzen gezogen werden, die sich entwickeln, wenn wir die Befriedigung und das Vergnügen unseres eigenen Ego über alles andere stellen.

Als wir mit unseren Nachforschungen zum Thema dieser Ausgabe der Zeitschrift begannen und den Fragen nachgingen: Was ist das Ego?, Was genau ist unser Gegner auf dem spirituellen Weg?, setzten wir den Film Im Auftrag des Teufels schnell auf unsere Liste der zahlreichen Bücher und Videos, unter ihnen sowohl Klassiker als auch moderne Werke, die das Thema des Teufels im spirituellen Leben ansprechen. Obwohl der Teufel im heutigen Informationszeitalter ein wenig von seinem Glanz verloren hat, geht von der Gestalt des Satan immer noch eine ungeheure Faszination aus. Die Fülle an Material aus jüngerer Zeit, das sich dem Studium dieses Themas widmet, bezeugt dies. Als personifizierte Kraft böser Absichten in der menschlichen Seele hat das Schreckgespenst des Teufels die moralischen Vorstellungen des Westens seit dem Aufkommen des Christentums vor zweitausend Jahren beherrscht. Heute hat es fast den Anschein, als gäbe es ein neu erwachtes Interesse an den Ideen, die seinen Mythos geschaffen und aufrechterhalten haben. Wenn auch die religiöse Inbrunst, die häufig mit der Vorstellung von Satan einherging, in unserer Kultur auf wohltuende Weise zurückgegangen ist, so fragen wir uns doch: Könnte es sein, dass er immer noch Aspekten unseres spirituellen und moralischen Lebens Ausdruck verleiht, die sich gar nicht so leicht in einen modernen Kontext übertragen lassen? Der Teufel mag ja in unserer psychologisch informierten Gesellschaft aus gutem Grund keinen Platz mehr haben. Der Autor, Gesellschaftskritiker und Professor der Geisteswissenschaften an der Universität Columbia, Andrew Delbanco, betont in seinem Buch The Death of Satan jedoch: „Trotz des Verlustes der alten Begriffe und MoralkonzepteSatan, Sünde, das Bösekommen wir ohne irgendwelche Begriffe nicht aus, wenn wir über die universelle menschliche Erfahrung der Grausamkeit und des Schmerzes nachdenken. Wenn das Böse mit all seiner tückischen Komplexität für unsere Vorstellungskraft unerreichbar geworden ist, hat es die Herrschaft über uns alle gewonnen.”

Dies alles hatten wir im Hinterkopf, als wir uns auf die Suche nach jemandem begaben, der in der Lage war, etwas Licht auf die Gestalt des Teufels zu werfen, diesen stolzen und zeitlosen Geist, den Al Pacino auf der Kinoleinwand mit einer solchen Intensität lebendig werden ließ. Und wir dachten uns, dass es dafür keinen besseren Weg gab, als beim Regisseur dieses preisgekrönten Filmes selbst anzufangen. Ich rief also bei Taylor Hackford an, der sofort zurückrief, als er erfuhr, dass es in dieser Ausgabe unserer Zeitschrift um die Frage ging: Was ist das Ego? „Ja, genau darum geht es auch in dem Film Im Auftrag des Teufels!” meinte er und erklärte sich in großzügiger Weise damit einverstanden, sich mit mir darüber zu unterhalten. Offensichtlich war Hackford zusammen mit seinem Drehbuchautor und Mitarbeiter Tony Gilroy die wichtigste kreative Kraft, die für die provozierenden Ideen verantwortlich ist, die diesen Film so lebendig machen. Vom ersten Augenblick unserer Unterhaltung an sprach er mit großer Leidenschaft über die Botschaft hinter dieser fesselnden, modernen Moralgeschichte und erläuterte, warum der alte Mythos vom unermüdlichen Meister der Verführung namens Satan am Ende des zweiten Jahrtausends immer noch für uns alle von Bedeutung ist.

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WIE Ausgabe 4:
Unsere Ausgabe zum Thema: Ego


Ist das Ego unser erbittertster Feind auf dem spirituellen Weg oder unser stärkster Verbündeter in den Wechselfällen des Lebens? Beiträge von: Ammachi, Pater Dionysios, Yogi Amrit Desai, Jack Engler, Robert Frager, Otto Kernberg, Zen Meister Sheng-Yen



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