Eines Nachmittags, als ich mir anlässlich der Planung
dieser Ausgabe von WIE über das faszinierende Thema „Was ist das Ego?”
Gedanken machte, kam mir eine Idee, die mich nicht mehr losließ: Wäre es möglich,
dass sich in dieser Zeit der Veränderungen in dem fruchtbaren Feld des spirituellen
Paradigmas unseres neuen Jahrtausends etwas ganz Neues entwickelt das transpersonale
Ego? Wäre es möglich, dass sich im Gefolge der Desillusionierung durch so
viele gefallene „erleuchtete” Gurus und Meister der Nimbus der Autorität in Bezug
auf alle spirituellen Dinge langsam, aber sicher auf die Akademiker, auf Psychologen
mit tiefer Liebe zum Geist überträgt, auf Experten, nicht nur auf dem Gebiet der
Psychologie, sondern auch des theoretischen Verständnisses der höchsten Sphäre
spiritueller Erfahrung? Augenblick mal, dachte ich mir, das ist interessant
könnte es sein, dass sich hier eine neue Struktur des ewigen Ego herausbildet?
Ein Ego, das mehr über sich selbst, über seine Geburt, seine Entwicklung, seine
letztlich leere Beschaffenheit und selbst seinen Tod weiß als jede seiner bisher
bekannten Erscheinungsformen? Und die unvermeidliche Frage stellte sich: Könnte
nicht dieses außergewöhnliche Wissen des Ego über sich selbst, was die Erleuchtung
betrifft, unbeabsichtigt der raffinierteste Abwehrmechanismus sein, der sich jemals
in der Geschichte der Menschheit gezeigt hat? Das musste ich herausbekommen. Ich
rief Kaisa Puhakka an, die Psychologin, Zen-Praktikantin, transpersonale Theoretikerin
und Direktorin der klinischen Fakultät am Institute for Transpersonal Psychology,
die 1997 auf der Konferenz des California Institute of Integral Studies über „Ken
Wilber und die Zukunft der transpersonalen Forschung” mit ihren brillanten Ausführungen
zu Ken Wilbers allumfassender Theorie Aufsehen erregt hatte.
Puhakkas Antworten auf meine Fragen über die „neue Struktur des Ego” sind erhellend und geben Einblick in das tiefe Dilemma eines Menschen, der die Transzendenz des Selbst und des Verstandes sucht und sich zugleich wissenschaftlich mit diesem Gebiet beschäftigt. Sie wollte aber auf jeden Fall dem Leser klar machen, dass in ihrer Sicht jede Bindung an ein Wissen und jeder „Standpunkt” des Wissens ihrer Natur nach eine Begrenzung darstellen. Und sie ließ durchblicken, dass vielleicht auch ich, wenn ich in meiner Eigenschaft als „spiritueller Lehrer” diese Fragen stellte, dem gleichen Dilemma zum Opfer fallen könnte, auf das ich andere aufmerksam machen wollte. WER WEISS?
Was folgt, ist eine provozierende und hoffentlich auch vergnügliche Untersuchung der Frage: ZEIGT SICH AM SPIRITUELLEN HORIZONT EINE NEUE ENTWICKLUNG DES EGO?



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