Your email address is kept confidential, and will never be
published, sold or given away without your explicit consent.
Thank you for joining our mailing list! Close |

|
||||||||||||||
|
1 | 2 Interview
Pater William McNamara: Das ursprüngliche Motiv, das sich über die Jahre immer mehr bewahrheitet und mit wachsender Leidenschaft und Intensität bestätigt hat, war und ist der Wunsch nach der Fülle des Lebens. Um für den Ansturm des Lebens und der Liebe vorbereitet und offen zu sein, die der Schöpfer durch sich selbst und alles, was mit ihm verbunden ist für uns bereithält (denn Gott ist kein getrennter Gott, er unterscheidet sich, ist transzendent, aber er ist nicht getrennt), muss man rein werden, muss man leer werden, muss man allen Möglichkeiten des Lebens gegenüber aufgeschlossen, lebendig und wachsam sein. Ich wollte diese Fülle des Lebens, und ich wollte nicht halbherzig sein. Ich wollte nicht in Halbwahrheiten gefangen sein. Ich wollte nicht von Mittelmäßigkeit blockiert oder verführt werden, von Scheinbegebenheiten anstatt der Wirklichkeit. Ich wollte das Ganze. Ich wollte die höchste Realität. Ich wollte das Endgültige. Also musste ich alles aufgeben, was mir weniger real erschien als das. WIE: Was erschien Ihnen denn als weniger real? WM: Für mich war fast jede Kommunikation ein Hindernis zur Kommunion. Wir kommunizieren so viel Ich wollte also nicht an sprachlicher Umweltverschmutzung ersticken, an einem oberflächlichen, leeren, fieberhaften Gerede. Ich wollte ein Leben, das von Stille beherrscht und durchdrungen ist. Und ich hoffte, dass aus der Matrix der Stille die tieferen Worte entstehen würden, die ursprünglichen Worte. Es lohnen sich nur die Worte, die mit dem ursprünglichen Wort verbunden sind, dem Wort Gottes, das Fleisch geworden ist. Hinzu kommt, dass uns die Realität entgeht, eben weil wir in einer solchen Eile sind. Wir befinden uns beinahe andauernd in einer panischen Flucht. Wir haben keine Zeit zu denken, keine Zeit zu lieben, keine Zeit zu sein. Auf einer eher banalen und oberflächlichen Ebene sind wir ständig getrieben, zu tun und tun und tun, und das hält uns davon ab, zu sein. Und das ist das Wichtigste. Wie Lao Tzu schon sagte: „Das Wichtigste, was es zu tun gibt, ist zu sein.” Das wäre also ein weiterer Aspekt der Suche nach Wahrheit, der Suche nach Endgültigkeit. Um es noch einmal zu sagen, es geht eher um Kommunion als um Kommunikation. Wenn Kommunikation den Boden bereitet für Kommunion, dann ist es wunderbare Kommunikation. Wenn sie das nicht tut, dann ist sie vergeblich. Jeder Mensch bemüht sich nur um eine große Sache, nämlich Kommunion. Und wenn sie nicht auf allen Ebenen erfahren wird WIE: Würden Sie bitte erklären, wie Sie „die Welt” auf dem spirituellen Weg genau definieren? WM: Ich halte es für nötig, zwischen der Welt und dem, was ich das „Mperium” nenne zu unterscheiden Aber das Mperium ist der Aspekt der Welt, der benutzt und verdreht wurde, um den Menschen Macht, Vergnügen und Geltung zu bringen. Nach all den Jahrhunderten ist das Endresultat davon eine unwirkliche Welt. Das Mperium ist eine unwirkliche Welt. Es besteht aus einem Netzwerk von Mittelmäßigkeit, Manipulation und Mummenschanz. Die ganze sozialpolitische Welt, in der wir leben, ist von Mummenschanz, also Verlogenheit, beherrscht Und es herrscht Mittelmäßigkeit. Alles ist mit System ausgearbeitet, damit es keine Überraschungen gibt. Gott ist aber Überraschung. Gott ist jenseits unserer Vorstellungen, unserer Bilder, unserer großen Vorhaben. Wenn wir nicht ständig überrascht werden, bedeutet das, wir sind nicht in Berührung mit dem Echten und haben alles so eingerichtet, dass es leicht zu erledigen ist und uns mehr Macht, mehr Annehmlichkeiten, mehr Trost gibt. Der dritte Aspekt ist die Manipulation. Das größte Problem unserer Gesellschaft heutzutage ist meiner Meinung nach, dass wir zu viele Sachen einfach geschehen lassen. Wir haben zugelassen, dass wir zu gebrauchsfähigen Gegenständen wurden Dieses Phänomen beschreibe ich gern mit den Worten „gefälliges Gift”. Es handelt sich nicht um ein spektakuläres Übel. Das gefällige Gift ist die Sorte von Übel, das Christus umgebracht hat. Das waren nicht die schlechten Männer dieser Zeit, nicht der Staat, nicht die Kirche. Es waren keine notorisch bösen Männer, sondern das gefällige Gift, das in die besten Institutionen und die besten Leute hineingesickert ist. Das gefällige Gift ist die Art von Übel, das unmerklich, lautlos in die nettesten Leute unter uns und unsere besten Institutionen eindringt; es lässt sie die Orientierung verlieren und wirft sie aus der Bahn. Es ist eine respektierte Art von Übel. WIE: Wie haben Ihnen die ganz spezifischen Veränderungen, die Sie vorgenommen haben WM: Als ich dem Karmeliter-Orden mit 18 Jahren beitrat, legte ich die Gelübde der Armut, Keuschheit und des Gehorsams ab. Als ich dann 1960 einen neuen Zweig der Karmeliter gründete, kam ein weiteres hinzu: das Gelübde der heiligen Muße Armut bedeutet kein Getue. Wir machen um so viele Dinge ein solches Theater, dass wir keine Kraft mehr übrig haben, uns auf das einzig Nötige zu fokussieren und zu konzentrieren: Gott, Einheit mit Gott, Erleuchtung, Reinheit des Herzens. Deshalb legen wir das Gelübde der Armut ab. Es bedeutet, dass es sich nicht lohnt, um irgendetwas anderes Theater zu machen als die endgültige Vereinigung. Es lohnt sich nicht, es sei denn, es ist damit verbunden. Armut heißt also, das ganze überflüssige Gepäck loszuwerden. Wir brauchen keine Armbanduhren, Radios und Hi-Fi-Stereoanlagen Keuschheit heißt: keine Begierde zu haben. Es bedeutet, nach nichts zu gelüsten, nicht nur nicht nach Menschen, sondern nach gar nichts. Es bedeutet, sich jeder Form von Begierde zu entledigen. In allen großen Religionen heißt es: Entledige dich der Begierde, und du bist frei. Wir legen also das Keuschheitsgelübde ab, um uns der Begierde zu entledigen und fokussieren uns dann auf wahre Intimität Und Gehorsam bedeutet: keinen Rost anzusetzen
|
||||||||||||||