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Über Darwin, Evolution, und den vollkommenen Menschen


von Swami Vivekananda
 

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Einleitung



Swami
Vivekananda
„ALLES MENSCHLICHE Streben geht [in der Hindu-Religion] dahin, durch ständiges Ringen vollkommen zu werden, göttlich zu werden, zu Gott zu gelangen und Gott zu sehen ...

Jede Religion entwickelt einen Gott aus dem materiellen Menschen, und es ist derselbe Gott, der allem Leben einhaucht.”

Diese Worte wurden von dem großen indischen Heiligen Swami Vivekananda auf dem Parlament der Weltreligionen 1893 gesprochen. Seine Präsenz und seine Worte hinterließen einen so starken Eindruck, dass viele meinen, dass der moderne spirituelle Ost-West-Dialog an jenem Sommertag in Chicago vor mehr als hundert Jahren begann.

Swami Vivekananda, ein Schüler des berühmten indischen spirituellen Meisters Sri Ramakrishna, brachte als erster großer Hindu-Lehrer die Botschaft des mystischen Ostens in die westliche Welt und öffnete bis ins zwanzigste Jahrhundert ein Tor, durch das noch viele Menschen gehen sollten. Vivekananda war eine Renaissance-PersönlichkeitMeister der Hindu-Tradition, leidenschaftlicher Verfechter von Toleranz und Respekt unter den Weltreligionen und Sozialrevolutionär. Seine Worte stärkten und inspirierten eine ganze Nation. Er war einer der Großen seiner Zeit, der mit seinen spirituellen Werten und seinem persönlichen Charakter das Beste aus Ost und West verkörperte. Da wir von WIE mit seiner außergewöhnlichen Lebensgeschichte vertraut waren, hatten wir keinen Zweifel an Vivekanandas wohlverdientem Platz in der Religionsgeschichte und an seinen bahnbrechenden Bemühungen, die Barrieren zwischen Ost und West abzubauen. Wir wußten allerdings noch nicht, dass er sich als einer der ersten Lehrer des Ostens mit Darwins Evolutionstherorie befasst und eine Hindu-Philosophie formuliert hatte, welche die damals neue, evolutionäre Weltsicht der westlich-wissenschaftlichen Gemeinschaft in umfassender Weise zu würdigen trachtete.

Als Zeitgenosse von Darwiner lebte nur wenige Jahrzehnte nachdem dieser Über den Ursprung der Arten durch natürliche Auslese veröffentlicht hattewar Vivekananda in den westlichen Wissenschaften und in der westlichen Philosophie sehr beschlagen, für ihn gab es zwischen einem sich entwickelnden Kosmos und der großen Tradition der indischen Vedanta-Lehre keinen inhärenten Konflikt. Vielmehr sah Vivekananda die evolutionäre Revolution, wie auch Sri Aurobindo, Teilhard de Chardin, Alfred North Whitehead und andere Visionäre des zwanzigsten Jahrhunderts, nicht als eine Bedrohung für das spirituelle Leben. Er sah sie als eine Bereichung für unser Verständnis über die in allen Aspekten der materiellen Welt wirkenden Regungen des Geistes. Sein Werk war vielen eine Inspiration, insbesondere Sri Aurobindo, einer weiteren religiösen Größe von Mutter Indien, der sich quasi als Schüler von Vivekanandas Leben und Werk verstand.

Als wir uns also für diese Ausgabe von WIE an die Erforschung der neuen evolutionären Spiritualität machten, die der Vermischung der östlichen und der westlichen Weltsicht entspringt, waren wir sehr begierig darauf, die Worte des Mannes gründlicher zu lesen, der hier mit so viel Einsatz den Weg in die Zukunft geebnet hat. Mehr als ein Jahrhundert nachdem Swami Vivekanandas kurzes aber außergewöhnliches Leben seinen Stempel auf die Seiten der Weltgeschichte gesetzt hat, scheinen seine Worte noch mehr Relevanz zu haben als zuvor. Sein unablässiger Aufruf nach Entwicklung, nach Aufstieg, nach einem Ringen darum, uns zu einem Ebenbild Gottes zu vervollkommnen, setzt einen kraftvollen Gegenpol zu der postmodernen spirituellen Kultur, die uns so oft vergessen lässt, dass in der Evolution des Geistes eine inhärente Forderung lebtdie Forderung nach einer grundlegenden, persönlichen Transformation des materiellen Menschen.

Anm.: Wir haben das männliche Geschlechtspronomen gewählt, wie bei Vivekananda im Original in Perfect Man und He, um Gott oder die Universelle Intelligenz als Funktion seiner Zeit und Kultur zu bezeichnen.

Die folgenden Kapitel sind Übersetzungen aus The Complete Works of Swami Vivekananda (Calcutta: Advaita Ashrama, 1989) und werden hier mit Genehmigung des Verlegers verwendet.


Carter Phipps


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