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Wenn man längere Zeit im Ausland gelebt hat, stellt man erstaunt fest, wie sich der Blick auf die eigene Kultur verändert. Man sieht plötzlich Dinge, welche früher Mir war nie aufgefallen, wie konservativ Länder wie Deutschland, die Schweiz oder Österreich sind, konservativ Oder bin ich nur grenzenlos naiv geblieben? Vielleicht ist radikale menschliche Transformation wirklich nur ein kindlicher Traum, der irgendwann einmal einem erwachsenen Realismus weichen muss, der eben weiß, dass Menschen sich nicht ändern. So viel von dem, was wir in der Welt sehen, scheint meinen alten Freunden Recht zu geben. Ich kann mich noch an den Idealismus der Studentenbewegung erinnern, als wir glaubten, am Anfang einer neuen Zukunft zu stehen, und wie angewidert ich war, als ich nicht mehr leugnen konnte, dass wir die gleichen miesen Machtspielchen des Egos spielten wie die „alte Welt”. Dann kam die Therapiebewegung. Damals teilte ich mit vielen die Hoffnung, Therapie würde uns einen neuen Menschen bringen. Ich wurde sogar Therapeut. Aber im Laufe der Zeit fragte ich mich, ob die Therapiebewegung uns nicht vor allem einen Freibrief für jenen kollektiven Narzissmus gegeben hat, der unsere Generation so auszeichnet. Vielleicht haben jene Recht, die schon immer meinten, dass sich der Mensch eben nicht ändert? Doch wir leben in einer Welt, die uns deutlich vor Augen führt, wie dringend wir einen Wandel der Menschheit, wie dringend wir menschliche Transformation brauchen. Das 21. Jahrhundert scheint uns mit seinen globalen ökologischen und sozialen Krisen nicht mehr viel Zeit zu geben. Wollen wir den nachfolgenden Generationen eine lebbare Erde hinterlassen, müssen wir uns radikal ändern. Es wird immer offensichtlicher, dass der neue Mensch kein Luxus mehr ist. Wir brauchen ihn/sie wie die Luft zum Atmen.
Was ist menschliche Transformation? Wie geschieht sie und wohin kann sie uns führen? Diese Fragen lagen uns am Herzen, als wir diese Ausgabe von Was ist Erleuchtung? vorbereiteten. Die Wissenschaftler, Bewusstseinsforscher und Praktiker, die wir hierfür interviewt haben, sind mit ihren Forschungen und Entdeckungen alle diesem Phänomen der menschlichen Transformation und Evolution auf der Spur. Und ihre Erkenntnisse zeigen vor allem eines: Wir haben noch nicht einmal wirklich begonnen. Der Evolutionstheoretiker Robert Wright spricht von einem „tieferen Sinn” als der treibenden Kraft der Evolution, einem tieferen Sinn, der sich nur uns Menschen als erster Lebensform auf diesem Planeten zu erschließen beginnt. George Leonhard, einer der Väter der Human-Potential-Bewegung und Gründer des bekannten Esalen-Instituts in Kalifornien, spricht von der Evolution als einem Prozess, in dem der GEIST, das Göttliche, von Anfang an involviert war. Das Potenzial zur Transformation ist sozusagen etwas, das in uns darauf wartet, von uns erschlossen zu werden. Und der Entwicklungspsychologe Mihaly Csikszentmihalyi spricht davon, wie Menschen als einzige Lebewesen auf dieser Erde einen inneren Antrieb besitzen, über sich selbst hinauszugehen. Pflanzen haben das nicht, Tiere haben das nicht, aber wir. Csikszentmihalyi untersucht die zutiefst erfüllende menschliche Erfahrung, über Grenzen zu triumphieren. Wir stehen in einem evolutionären Zusammenhang, dessen Wesen es ist, Grenzen zu sprengen. Es liegt scheinbar in unserer Natur, immer wieder über uns selbst hinauszuwachsen. Und wir leben heute in einer Welt, die dringender denn je unserer Veränderung bedarf. Doch wir leben auch in einer postmodernen Welt, die ihren Zynismus liebt, hier in Deutschland vielleicht noch mehr als anderswo. Was bedeutet Transformation im 21. Jahrhundert
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