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Ich bin optimistisch


Ein Interview mit Joe Firmage
von Carter Phipps
 

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Einleitung



Joe Firmage
JOE FIRMAGE ERLEBTE DEN WOHL wichtigsten Augenblick seines Lebens, als er noch ein kleiner Junge war. Eines Abends, im Jahr 1982, setzte ihn sein Vater vor den Fernseher, um ihm eine hoch gelobte, neue Kurzdokumentarserie über das Universum zu zeigen. Es war die erste ihrer ArtCarl Sagans Cosmos. Sagans Geschichte bezauberte und faszinierte Firmage, sein klarer, junger Geist war „erfüllt von Demut und Erstaunen ”über das Wunder, das Mysterium und die Schönheit des Kosmos. Und durch seine Erfahrung mit der Wissenschaft wurde ein neuer Sinn für das Heilige in ihm geboren. Obwohl er das Kind einer Mormonen-Familie im US-Staat Utah war, konnte Firmage bereits damals spüren, dass er seine wahre Religion gefunden hatte. „Kein Priesterseminar konnte den Ehrfurcht gebietenden Wahrheiten, die ich im Wesen des Kosmos sah, das Wasser reichen”, sagt er. „Die Wissenschaft wurde der Weg, dem ich folgen sollte, um Antworten auf meine tiefsten Fragen zu finden.”

Von Sagans Vision inspiriert verbrachte Firmage einen großen Teil seiner Jugend damit, am Tage die Wissenschaft und bei Nacht die Sterne zu studieren. Aber wie so viele Jugendliche seiner Generation entdeckte er schließlich den Computer und verfiel ganz dieser aufregenden, neuen Technologie. Als er in den Zwanzigern war, wandte er seine Aufmerksamkeit von Weltraum und Physik ab und widmete sein Talent und seine Energie ganz der Welt der Computerund das mit beträchtlichem Erfolg. Tatsächlich war er im reifen Alter von 25 Jahren bereits Millionär, hatte eine kleine Softwarefirma gegründet und weiterverkauft und war Geschäftsführer der zweitgrößten Softwarefirma der Welt. In jenen Tagen befand sich das Phänomen Internet erst am Beginn seines sprunghaften Aufstiegs, und der stets zukunftsorientierte Firmage war zur rechten Zeit am rechten Ort. Er zog nach Nordkalifornien und gründete eine neue Firma, die schon bald zu einer Multimilliarden-Dollar-Erfolgsstory werden sollte. Im Tal der Silikon-Sterne war er plötzlich einer der hellsten. Mit 27 Jahren sah man ihn als echten Visionär an, als jemand, der mittels der Technologie die Welt und unser aller Leben veränderte. Er konnte allerdings damals nicht wissen, dass die Zukunft bereits andere Pläne mit ihm hatte. Das Schicksal griff ein und erweckte seine Leidenschaft für die Physik, den Weltraum und die Spiritualität, die einst seinen jungen Geist erfüllt hatte, zu neuem Leben.

Einige haben es einen Außerirdischen genannt, einen Engel oder gar eine Halluzination; aber worum auch immer es sich dabei handelt: An einem Tag im Jahr 1997 bekam Firmage frühmorgens von irgendjemandem oder irgendetwas Besuch in seinem Schlafzimmer. Er schreibt: „Ein ungewöhnliches Wesen, in strahlend weißes Licht gehüllt, schwebte über meinem Bett. Es sah ziemlich verärgert aus und fragte: ‚Warum hast du mich hierher gerufen?' Ich antwortete ohne einen Augenblick zu überlegen: ‚Ich möchte durch den Weltraum reisen.' Das Wesen war skeptisch und lachte lautlos in sich hinein, dann hielt es inne und fragte: ‚Warum solltest du diese Möglichkeit erhalten?' Ohne Zögern erwiderte ich: ‚Weil ich bereit bin, dafür zu sterben!' Der Besucher war erschüttert. Er starrte mich an, senkte den Kopf, und dann trat eine stahlblaue Kugel aus ihm aus, etwas kleiner als ein Basketball, die innerhalb von etwas, das wie Lichtbögen aussah, herumwirbelte. Sie verließ seinen Körper, schwebte herunter und drang in mich ein. Eine unvorstellbare Ekstase überwältigte mich… Mein Körper zitterte, als ich aufwachte; und das ging, wie es mir schien, noch minutenlang so weiter. Ich hatte irgendetwas erhalten.”

Diese kraftvolle Erfahrung hinterließ einen tiefen Eindruck bei Firmage und trug dazu bei, dass er sich eine ganze Reihe von Fragen mit neuer Dringlichkeit stellte. Die hatten ihn schon zuvor dazu veranlasst, über seine Rolle als Führungspersönlichkeit bei der Revolution durch das



Internet nachzudenken. Wo steuern wir als Spezies eigentlich hin, fragte er sich, wenn der Zweck unseres modernen Wirtschaftssystems darin besteht, die sechs Milliarden Menschen, die die Erde bevölkern, in sechs Milliarden hungrige Konsumenten zu verwandeln? Trägt die Internet-Wirtschaft lediglich zur Eskalation der drohenden ökologischen Krise bei, die vor uns liegt? Welche Rolle kommt der Ethik und der Spiritualität in einer von Wissenschaft und Geschäftsleben geprägten Welt zu? Und seine Fragen gingen noch darüber hinaus. Stimmt es, wie er vermutete, dass neue Ideen, die von den Grenzbereichen der Physik durchzusickern begannen, in naher Zukunft Reisen in den Weltraum zumindest zu einer Möglichkeit werden lassenIdeen, die neue Methoden der Energiegewinnung schaffen könnten und damit unsere moderne Welt radikal verändern würden? Überflüssig zu erwähnen, dass diese Art Fragen selbst in den relativ fortschrittlichen Sitzungssälen von Silicon Valley nicht gerade auf Beifall stießen. Nach mehreren Zusammenstößen mit der Presse und mit seinen Kollegen wegen einiger seiner radikaleren Spekulationen beschloss Firmage, dass es an der Zeit sei, von seinen Träumen in Silicon Valley zu lebendigeren Wirklichkeiten überzugehen. Er richtete sein Augenmerk darauf, neueren, seiner Ansicht nach wesentlichen Entwicklungen in Wissenschaft und Wirtschaft sowie Entwicklungen des Bewusstseins nachzugehen, die das Überleben unserer Spezies sichern und sie auch mit Erfolg durch das nächste Jahrhundert würden bringen können.

Heute, mit 30 Jahren, ist Firmage überzeugter denn je, dass die kommenden Jahrzehnte bedeutende Veränderungen in allen Bereichen der menschlichen Gesellschaft hervorbringen werden. Er setzt seine Zeit und einen großen Teil seines Vermögens dafür ein, sich diese Zukunft vorzustellen, Vorbereitungen für sie zu treffen und bei ihrer Verwirklichung behilflich zu sein. Er ist Gründer und Vorsitzender der International Space Sciences Organization, einem Forschungsinstitut, das eingerichtet wurde, um neue Erkenntnisse in den Grenzgebieten der Physik zu erarbeiten und die sich entwickelnden Beziehungen zwischen Wissenschaft und Spiritualität zu untersuchen. Er war stets ein großzügiger Philanthrop und gab Organisationen wie Gorbatschows State of the World Forum und Ken Wilbers Integral Institute maßgebliche Unterstützung. Und erst kürzlich initiierte er sein bisher vielleicht ehrgeizigstes Unternehmen: One Cosmos, eine Medien- und Unterhaltungsfirma, die sich auf die Wissenschaften stützt. Fast zwei Jahrzehnte nachdem seine kindliche Vorstellungskraft durch eine neue Art von Fernsehprogramm geweckt worden war, beabsichtigt Firmage gemeinsam mit seiner Geschäftspartnerin Ann Druyan, der Witwe Carl Sagans, das Vermächtnis von Cosmos zu neuen Ufern zu führen. Er hofft, für Millionen von Menschen jene Vision erlebbar zu machen, die ihn selbst ursprünglich inspiriert hattedie Schönheit und Zerbrechlichkeit unserer umkämpften Mutter Erde, die Ehrfurcht gebietende Weite des Kosmos, in dem wir leben, und die Möglichkeit, dass die Menschheit in einer von ihm erträumten Zukunft eines Tages vielleicht einmal durch die Galaxie reisen kann.

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